Hattingen feiert weiter, immer weiter

Foto: Volker Speckenwirth / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Altstadtfest hat sich in 40 Jahren nach Höhen und Tiefen zu einem entspannten Happening entwickelt. Ein Betrachtung.

Hattingen..  Was ist das doch schön: Hunderte, nein, natürlich Tausende schlendern entspannt über das Altstadtfest, stöbern an den Ständen, lassen sich von der Musik berieseln. Lachende Gesichter, fröhlich glänzende Kinderaugen, zufriedene Gäste aus umliegenden Städten, auch Petrus – „einer unserer qualifiziertesten Mitarbeiter“, wie es Chef-Organisator Georg Hartmann mit einem Augenzwinkern formulierte – hatte ein Einsehen. Die drei tollen Tage rund um Kirchplatz, Krämersdorf und Steinhagen waren ein Erfolg, auch wenn der Ferienbeginn ein paar Besucher gekostet hat. 25 000 mögen es gewesen sein, vielleicht auch 30 000.

Die Polizei meldete bis Redaktionsschluss nur einen Platzverweis, sprach von einem „sehr ruhigen Wochenende“, auch für die Feuerwehr war der Bienen-Besuch am Sonntag der einzige Einsatz. So soll das immer sein – war früher indes oft genug anders.

Seit 40 Jahren gibt es das Altstadtfest inzwischen – und es hat seit 1975 eine durchaus wechselvolle Geschichte durchlebt. Nehmen wir etwa die späten 1980er und frühen 1990er Jahre, in denen es oft ein unerträgliches Gedrängel in den Sträßchen und Gässchen gab. Keine Seltenheit, dass der Weg einmal quer über den Untermarkt eine halbe Stunde und länger dauerte. Oder die mittleren Nuller-Jahre, die unter Sparzwängen, der längst übermächtig großen Konkurrenz durch andere Städte (Bochum Total, Essen Original), aber auch einem zu individuellen Nischen-Programm zu leiden hatten. Es gab eine gewisse Orientierungslosigkeit in der Organisation, die weniger dem ausführenden Kulturbüro als vielmehr den entscheidenden Kultur-Politikern anzulasten war. Es wurde mehr über Hymnen und Plakate diskutiert als über Inhalte, die wirklich Besucher ansprechen. Zum Teil kamen nur noch 10 000 Gäste.

Weil der Kostendruck immer größer wurde, sprangen eben jene Politiker über ihren Schatten und gaben das Fest in andere Hände. Der erste Versuch mit Bochum-Total-Macher Marcus Gloria stellte 2010 noch wenig zufrieden, seitdem kümmert sich Georg Hartmann mit seinem Team vom Stadtmarketingverein ums Altstadtfest.

Heute hat es sich längst eingependelt. Das Angebot wurde entschlackt (der erste Teil der Großen Weilstraße sowie die Kleine Weil­straße spielen keine Rolle mehr), die Gestaltung ist kommerzieller. Hartmann setzt vermehrt auf Cover-Bands, auf starke Cover-Bands. Ob das gut ist oder nicht, mag jeder für sich entscheiden, der Erfolg vor den Bühnen spricht aber für sich.

Schmuck aus Steinkohle

Hattingen begrüßt jedes Jahr zwischen 25 000 und 35 000 Besucher, manchmal auch ein paar mehr (wie 2014 etwa). Sie fühlen sich offenbar wohl, sie mögen die angenehme Atmosphäre, die auch durch den Kunsthandwerkermarkt mittlerweile geschaffen wird. Natürlich ist auch bei diesen Ständen die Qualität nicht immer gleich hoch, aber wenn man Ruhrgebiets-Schmuck aus Wurzelholz und Steinkohle findet, ist das für viele ein Gewinn – und sie schauen über manchen Plastik-Ramsch hinweg, der ihnen feilgeboten wird.

Nun, das 41. Altstadtfest ist Vergangenheit, 2016 gibt es das 42. Hattingen feiert weiter, immer weiter – und das ist auch gut so!