Handwerk bildet viele Migranten aus

Das Handwerk setzt in der Ausbildung auch auf junge Menschen mit Migrationshintergrund.
Das Handwerk setzt in der Ausbildung auch auf junge Menschen mit Migrationshintergrund.
Foto: WR/Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Jeder zehnte Azubi ist im Bereich der Kreishandwerkerschaft Ruhr nicht deutsch. Im Bereich der IHK Mittleres Ruhrgebiet sind es sechs Prozent. Elf Prozent der 15- bis 24-Jährigen im Ennepe-Ruhr-Kreis sind Ausländer.

Hattingen..  Ein Migrationshintergrund erschwert die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Unternehmens-Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Nur 15 Prozent der Betriebe bildeten Menschen mit ausländischen Wurzeln aus. Im Kreis sind elf Prozent der 15- bis 24-Jährigen Ausländer. Von Vorbehalten wollen die meisten Betriebe vor Ort nichts wissen.

„Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will“, betont Kreishandwerksmeister Frank Flörecke. In seinem eigenen Betrieb haben derzeit alle Auszubildenden ausländische Wurzeln. Im Bereich der Kreishandwerkerschaft Ruhr ist etwa jeder zehnte Azubi nicht deutsch. Dazu kommen alle mit deutschem Pass, aber ausländischen Wurzeln. „Im Handwerk waren wir Vorreiter und schon immer besonders aufnahmebereit“, bemerkt Flörecke.

Das bestätigt auch Meryem Efe, Ausbildungsstellen-Vermittlerin bei der zuständigen Handwerkskammer Dortmund. Kein Betrieb sträube sich grundsätzlich, Auszubildende mit Migrationshintergrund einzustellen, entscheidend seien Qualifikationen. Allerdings sei den Betrieben wichtig, „dass die Bewerber vernünftig deutsch sprechen“. Auch in der Bertelsmann-Studie hatten 38 Prozent der Befragten Bedenken vor Sprachbarrieren geäußert, knapp 15 Prozent fürchteten Probleme durch kulturelle Unterschiede. Deshalb sei es wichtig, interkulturelle Kompetenzen zu fördern, betont Efe.

Geeignete Bewerber fehlen

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet sind 5054 Auszubildende beschäftigt – knapp sechs Prozent davon haben einen ausländischen Pass. Zwar gebe es Betriebe, die Vorbehalte gegen ausländische Bewerber hätten, räumt IHK-Sprecher Jörg A. Linden ein. Die Mehrheit sei das aber nicht. „Bewerber mit Migrationshintergrund – nein, danke’ gilt definitiv für den IHK-Bezirk Mittleres Ruhrgebiet nicht“, betont er. Die Entscheidung vieler Betriebe, nicht auszubilden, sei vor allem auf das Fehlen geeigneter Bewerber zurückzuführen: „Kommunikationsprobleme können nicht nur Bewerber mit Migrationshintergrund haben, sondern sicherlich auch viele deutsche Bewerber.“

Dass die Ausbildung häufig nicht ernst genommen werde, unabhängig von der Herkunft des Jugendlichen, beobachtet auch Rasmus Keichel, Berufsberater der Arbeitsagentur. Deshalb sieht er es als vordringliche Aufgabe, die Motivation zu stärken. Arbeitgeber spreche die Arbeitsagentur konkret an und leiste vielfach Überzeugungsarbeit. Problematisch könne zum Beispiel ein Kopftuch sein, weiß Keichel. Doch er erklärt: „Ich habe positive Erfahrungen mit Migranten gemacht und viele erfolgreich vermittelt.“ Mit 358 Suchenden waren im vergangenen Ausbildungsjahr 13,1 Prozent der Bewerber Ausländer. Unversorgt blieben 18 ausländissche Bewerber – und 102 deutsche.