Haltestellen in Hattingen zu 43 Prozent rolligerecht

Die Bushaltestestelle Am Vinkenbrinck ist einer der zuletzt barrierefrei umgebauten Haltepunkte.
Die Bushaltestestelle Am Vinkenbrinck ist einer der zuletzt barrierefrei umgebauten Haltepunkte.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Laut Personen-Beförderungsgesetz sollen bis 2022 alle Haltestellen barrierefrei sein. Kreis: Das Ziel ist nicht erreichbar. Eine Prioritätenliste wird erstellt.

Hattingen..  Der Ennepe-Ruhr-Kreis arbeitet derzeit an der Fortschreibung des Nahverkehrplans. Dazu soll erfasst werden, welche Haltestellen wie stark genutzt werden. Hintergrund ist eine Vorgabe des deutschen Personen-Beförderungsgesetzes. Das sieht vor, dass bis zum Jahr 2022 die „vollständige Barrierefreiheit“ des öffentlichen Personennahverkehrs erreicht sein soll. Ein Ziel, das – so ist schon jetzt klar – kaum zu erreichen sein wird. In Hattingen sind von 303 Bahn- oder Bussteigen bisher 129 barrierefrei (in diesem Fall niederflurgerecht) ausgebaut. Deshalb gilt es, Prioritäten zu setzen.

„2022 ist die politische Forderung. Wir versuchen der so weit wie möglich nahe zu kommen“, erklärt Uwe Tietz, Leiter der Abteilung Kreisentwicklung und Beteiligung beim Ennepe-Ruhr-Kreis. Allerdings schränkt er ein, dass ein vollständiges Erreichen des Ziels finanziell nicht möglich und auch wirtschaftlich nicht sinnvoll sei. Die Fahrgastzahlen, die aktuell von den Verkehrsunternehmen erhoben und an den Kreis gemeldet werden, sind eines der Kriterien, um eine Reihenfolge für den Ausbau der Haltestellen festzulegen. Stark frequentierte Haltepunkte haben Vorrang.

Ausbau startete in Hattingen 1994

In Hattingen werden die 147 Straßenbahn- und Linienbushaltestellen mit insgesamt 303 Bahn- oder Bussteigen seit dem Jahr 1994 barrierefrei umgebaut. „Im letzten Bauabschnitt wurden in den Jahren 2012 bis 2014 elf Bushaltestellen niederflurgerecht ausgebaut“, fasst Stadtsprecherin Susanne Wegemann zusammen. Ausgewählt wurden dafür die Haltestellen, die das jeweils höchste Fahrgastaufkommen hatten: die Haltestellen Eichholzstraße (Fahrtrichtung Hattingen), Raabestraße (Fahrtrichtung Hattingen), Pestalozzi­straße, Blumenweg (Fahrtrichtung Holthausen Reha-Klinik), Nordstraße, Am Vinckenbrink (Fahrtrichtung Sprockhövel), Hermannstraße (Fahrtrichtung Hattingen) und Henrichshütte. Zur Zeit stehen keine weiteren Umbaumaßnahmen an.

Der barrierefreie Ausbau auf Niederflurtechnik kostet pro Bus- oder Bahnsteig je nach Aufwand und Gehweigbreite zwischen etwa 10 000 und 30 000 Euro. Der Umbau umfasst die Erhöhung der Bordsteine auf 18 Zentimeter. „Das dahinterliegende Pflaster wird aufgenommen und an die neue Höhe angepasst. So entstehen zur Haltestelle seitlich kleine Rampen“, erklärt die Stadtsprecherin. Außerdem würden taktile Platten für Menschen mit Sehbehinderung eingebaut.

Ein Wartehäuschen schlägt übrigens mit 8500 Euro zu Buche. 154 Hattinger Bahn- und Bussteige sind bereits damit ausgestattet.