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Häuser aus dem Harz

21.08.2009 | 18:04 Uhr
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Henschelstraße und Haidchen boten den Arbeitern der Henrichshütte Wohnraum. Heute stehen sie unter Denkmalschutz.

Die Bruchstelle zwischen vergangenem und gegenwärtigem Hattingen liegt in der Haidchen-Siedlung in Welper. Genauer gesagt: in den Häusern an der Henschelstraße.

Als Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode in den Jahren 1853/54 die Henrichshütte errichtet, erhält das bäuerliche Welper einen großen Schub: industriell, technisch und demographisch. Und hat zur Folge: die steigende Zahl von Arbeitern braucht Wohnraum. Die Baracken auf dem Werksgelände reichen nicht aus, um den Menschen aus Belgien, England und Schottland Unterkunft zu bieten.

Mehr und mehr Menschen ziehen nach Hattingen. Und wollen bleiben. Nach dem Motto: „Wo ich arbeite, setze ich mich nieder”, wie Stadt-Archivar Thomas Weiß sagt. So errichtet die Henrichshütte um 1860 in unmittelbarer Nähe die ersten Wohnhäuser: die Harzer Häuser in der Henschelstraße. Sie sollten die Arbeiter aus dem Harz dazu veranlassen sich hier anzusiedeln.

„Die Menschen kamen nicht allein, sondern mit ihren Familien. Sie sollten sich heimisch fühlen”, erläutert Weiß. Die zweigeschossigen Reihenhäuser sind mit Schiefer und Holz verkleidet und greifen den Baustil aus dem Harz auf. Einen weiteren Grund für den Namen verrät Walter Ollenik von der städtischen Denkmalbehörde: „Gründer Graf Henrich zu Stolberg kam aus dem Harz und greift mit dem Namen auf seine Heimat zurück.”

1983 erhielten die Harzer Häuser eine grundlegende Renovierung und sind seit den 1980er Jahren denkmalgeschützt.

In den Jahren nach dem Bau der Harzer Häuser folgen Mietskasernen und ab 1900 die roten Backsteinhäuser mit drei bis vier Geschossen – ebenfalls denkmalgeschützt.

Zwischen 1905 und 1910 ergänzen die Häuser Auf dem Haidchen die Siedlung. „Im Gegensatz zur Henschelstraße findet sich hier keine übergeordnete Gestaltung”, sagt Thomas Weiß. Ihren Namen erhält die Straße erst 1970, davor heißt sie Schulstraße. Und verweist damit auf die Haidchenschule.

Bäcker und andere Gewerbe siedeln sich an, kurze Wege zum Arbeitsplatz sind gefragt – Welper wächst. Dabei konkurriert das Haidchen ab 1910 durchaus mit Hüttenau. „Zwar waren alle Menschen Welperaner, aber jeder fühlte sich einem Viertel verbunden – entweder Haidchen oder Hüttenau”, sagt der Stadt-Archivar. Der Darmstädter Architekturprofessor Georg Metzendorf plant für die Gartenstadt im großen Rahmen dieses neue Viertel. „Das Konzept war hier deutlich anspruchsvoller”, sagt Weiß. Die Infrastruktur verändert sich, Thingstraße und Marktplatz verbinden beide Gebiete.

Wer nun die Haidchen-Siedlung als Wohngebiet der Arbeiter versteht, hat damit nur zum Teil Recht. Den mit dem Haus Bruch steht bis zum Abriss im Jahr 1958 am südlichen Teil des Haidchens ein Adelsgut. Das 34 Meter lange Gebäude aus Sandstein ist mit Schiefer gedeckt und hat zwei Türme. In einem war eine Kirche eingerichtet.

Auf dem sumpfigen Grund wohnt dort ab 1300 niederer Adel bis Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode das zweistöckige Herrenhaus im Jahr 1850 kauft. Und auf dem Gelände des Hauses Bruch die Henrichshütte gründet. Damit verändert sich das Haidchen, Welper und letztlich auch Hattingen städtebaulich bis in die 1980er Jahre. Hier steht zuerst die Verwaltung der Hütte, heute das Bürogebäude mit der Polizeiwache.

Timo Klippstein

Kommentare
22.08.2009
08:38
Häuser aus dem Harz
von Fireblade | #2

Ja, dank Schröder und Hartz4 kann die Arge heutzutage auch eine Stellen vermitteln die bis zu 2,5 Std. Pendelzeit täglich in Anspruch nimmt oder sogar verlangen das man den Wohnort wechselt.

22.08.2009
05:17
Häuser aus dem Harz
von Argus | #1

kurze Wege zum Arbeitsplatz sind gefragt - Welcher Wahnsinn hat sich dagegen in unserer ach so fortschrittlichen Zeit verbreitet! Wieviel wertvolle Lebenszeit wird dadurch vergeudet!

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