Gute Laune an der Zapfsäule

Die Spritpreise sind zurzeit so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.
Die Spritpreise sind zurzeit so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler

So günstig wie seit Jahren nicht mehr ist an den Tankstellen derzeit der Sprit zu haben. Am Dienstag Abend etwa gab es den Liter Diesel in Hattingen für 1,049 Euro, den Liter Super für 1,219 Euro. Hebt das nicht automatisch den Fahrspaß? Und führen die niedrigen Spritpreise nicht auch zu einem regelrechten Run auf die Zapfsäulen? Teils, teils, sagen die hiesigen Pächter.

Dass die Hattinger Autofahrer zurzeit mehr Kilometer machen, das hat etwa Dagmar Weiten von der Freien Tankstelle an der Kohlenstraße bislang nicht festgestellt. „Unsere Kunden tanken wie immer.“ Ob der Spritpreis hoch oder niedrig sei, mache kaum einen Unterschied. Allerdings seien die Kunden angesichts der niedrigen Spritpreise fast alle gut gelaunt: „Die freuen sich natürlich darüber, dass Tanken zurzeit so günstig ist.“

Auch Irene Foltinek, Pächterin der Shell-Tankstelle an der Nierenhofer Straße, betont: „Die Lage an den Zapfsäulen ist momentan entspannter.“ Auch sie sagt: Die Kunden seien „freundlicher gestimmt“, wenn es ans Bezahlen geht.

Dass sie den ein oder anderen dabei derzeit häufiger zu Gesicht bekommt, weil der Tank schon wieder leer gefahren ist, sei indes nicht der Fall: „Aber manche Kunden, die sonst nur für 15, 20 Euro getankt haben, in der Hoffnung, dass der Spritpreis irgendwann doch noch fällt, die lassen ihren Tank jetzt jedes Mal volllaufen.“

Hamsterkäufe in Sachen Sprit allerdings, betonen Hattingens Tankstellen-Pächter unisono, gebe es nicht. „Höchstens macht der ein oder andere Kunde mal zusätzlich zum Pkw-Tank seinen 20-Liter-Kanister bei uns voll“, so Thomas Funke-Hesse, der zusammen mit seiner Frau Petra Hesse die Oil-Tankstelle an der Marxstraße betreibt. Das Pächter-Ehepaar selbst profitiert dagegen nicht vom günstigen Spritpreis. „Bei uns Pächtern sind die Margen festgeschrieben“, so Funke-Hesse; diese richten sich nach den monatlich verkauften Litern. „Und die sind trotz des niedrigeren Spritpreises gleich geblieben.“

Das Tankverhalten allerdings hat sich schon geändert. Zahlreiche Autofahrer steuern die Zapfsäulen, wenn’s eben geht, im günstigen Moment an. Und viele wissen: Nachmittags ist es billiger. Wenn sie dann allerdings ein, zwei Cent mehr zahlen müssen als beim letzten Mal . . . „Dann regen sich manche Autofahrer inzwischen sogar schon wieder auf“, hat Rainer Maßmann von der Total-Tankstelle an der Burgaltendorfer Straße festgestellt: „Niedrige Spritpreise halten viele eben schon für normal.“

Zurückzuführen ist der günstige Sprit dabei auf den Preisverfall beim Erdöl in der zweiten Jahreshälfte 2014. Und auch wenn Dr. Peter Meintz, Sprecher des ADAC Westfalen, beim Spritpreis zurzeit „massive Schwankungen beobachtet, nach oben wie nach unten“: Rekordwerte wie 2012, als der Benzinpreis zeitweise auf 1,70 Euro stieg, sind wohl in weiter Ferne: „Es gibt noch keine Anzeichen für eine generelle Trendwende.“