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Großunternehmer führt Hattinger Scheune in die Insolvenz

16.10.2012 | 09:00 Uhr
Großunternehmer führt Hattinger Scheune in die Insolvenz
Mit der Scheune von Insolvenz zu Insolvenz: Jupp Schücking.

Hattingen.  Noch vor einem Jahr hatte Jupp Schücking große Pläne. Viel Geld wollte er investieren in einen großzügigen Hofladen. Nun hat er für die Gemüsescheune Insolvenz beantragt. Doch die Sprockhöveler Familie Stock will den Betrieb wieder nach vorne bringen. Darum läuft der Verkauf weiter.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, dass Jupp Schücking Gurken und Tomaten in die Kamera hielt und große Pläne für die Gemüsescheune verkündete. Weg mit dem Käse, her mit dem Speck – nicht nur eine kulinarische Neuausrichtung verordnete der neue Besitzer dem Traditionshof im Hügelland, indem er die Verbannung der Käsetheke und die Einrichtung einer „Speckeria“ mit Dutzenden Sorten von Speck, dazu Stockbrot und Rotwein, ankündigte.

Mehr noch – viel Geld wollte der gebürtige Westfale und Wahl-Holländer in die Hand nehmen. Den Hofladen großzügig ausbauen. Das Angebot beträchtlich erweitern. Saisonale Märkte etablieren. 180 zusätzliche Parkplätze anlegen. Einen Streichelzoo für Kinder einrichten. Den Spielplatz erweitern. Insgesamt kündigte er Investitionen in Höhe von einer Million Euro an.

Amtsgericht Nordhorn eröffnet Insolvenzverfahren

Jetzt geht Jupp Schücking, wie er im September 2010 kam – mit einer Pleite. Am Montag vergangener Woche eröffnete das Amtsgericht Nordhorn das Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der Sepa Gemüsescheune Hattingen GmbH. Insolvenzverwalter ist Hubertus Bange von der Kanzlei Lauscher und Schürmann in Greven.

Wieder steht die Gemüsescheune also am Scheideweg. Und wieder hat der Neuanfang bereits begonnen, ehe die alte Pleite abgewickelt ist. Wir erinnern uns: Als bekannt wurde, dass Landwirt Thomas Liethmann mit seinem Familienbetrieb Schulden in Höhe von 8,2 Millionen Euro angehäuft hatte, übernahm Investor Schücking 2008 zunächst die Biogasanlage (die er auch weiter betreiben will), 2010 dann für 550 000 Euro die Gemüsescheune.

Waren der Familie Stock stehen schon in den Regalen

Jetzt, da der Großunternehmer mit Firmensitz in Enschede seine Scheunenzeit in Hattingen beendet, steht Ina Stock-Tonscheid in den Startlöchern. Zusammen mit ihrem Mann betreibt die 34-Jährige in Sprockhövel bereits den Hof Stock. Und ist in der Gemüsescheune schon seit Monaten aktiv. Fest verabredet hatte sie mit Jupp Schücking, die Gemüsescheune zunächst pachten und kaufen zu können. Die Verträge waren bereits aufgesetzt.

Längst stehen Waren der Familie Stock in den Scheunen-Regalen. Sie sind von dem nun startenden Insolvenzverfahren nicht betroffen. Der Verkauf geht weiter. Und Ina Stock-Tonscheid hofft, dass sie möglichst schnell den Zuschlag als neue Besitzerin bekommt.

Zehn der zwölf Angestellten, die zuletzt im Laden arbeiteten, wollen weitermachen. Und sollen das auch, sagt Stock-Tonscheid. Schücking hatte allen gekündigt. Und das offenbar nicht fristgerecht.

Ulrich Laibacher



Kommentare
17.10.2012
09:58
Rückzug aus der Scheune
von deutzmen68 | #2

Das mit der Gemüsescheune war ja vorrauszusehen. Wie konnte man als Großunternehmer den Betriebsleiter (Wolfgang W.), der ja auch schon zu Liethmanns-Zeiten die Finanzen regelte, diesen Betrieb führen lassen?? So etwas kann einfach nicht gut gehen!

Was passiert nun mit der Biogasanlage? Sind hier inzwischen die geforderten Auflagen erfüllt worden?
War es nicht so, das die Biogasanlage nur mit der Gemüsescheune zusammen kann?

Alles offene Fragen, die anscheinend vergessen worden sind und hoffentlich jetzt engültig geklärt werden.

3 Antworten
Rückzug aus der Scheune
von DerWaschbaer | #2-1

Ich glaube nicht, das o.g. Betriebsleiter schuld ist.

Vielmehr nehme ich ganz stark an, das Herr Schückings Anweisungen recht streng waren und die finanzielle Lage von Anfang an schlecht war.

In der Direktvermarktung von Obst und Gemüse als "Fachhändler" (im Gegensatz zu Discountern) sind 2 Dinge wichtig: 1. Frische 2. Eigenwerbung.

Wer nicht genug wirbt und im Laden keine oder keine frische Ware anbietet, muss sich nicht wundern, das die Kunden irgendwann ausbleiben.

Zudem wurde der Umfang des Unternehmens nicht ausgenutzt.

Die alte Scheune, auch unter den Liethmännern war an sich unternehmerisch erfolgreich. Der Fokus lag vor allem auf dem Naherholungsgebiet und dem damals reichhaltigen Café-Angebot in Form einer Kantine, ähnlich einer Tankstelle, die den Handel mit Obst und Gemüse als Shopware anbietet.

Unter Krebs + Schücking trat der Verkauf in den Vordergrund. Als Verkäufe ausblieben, wurde weniger und schlechter eingekauft.

Großunternehmer führt Hattinger Scheune in die Insolvenz
von DerWaschbaer | #2-2

Ins trudeln kam die Scheune durch Fehlinvestitionen, schlechter Propaganda durch einen alten Herren, dem zu viel Autos herumfuhren sowie den gefundenen Leichen im Keller (Stichwort Café-Plätze).

Hohe Fixkosten (Heizung vor allem) sorgten schließlich zusammen mit dem Aufkommen der Discounter für den Untergang.

Aus der Aktion l(i)ebenswertes Hügelland wurde hier ein Leichentuch. Man ging davon aus, das Gaststätten aufgrund des Cafés sterben. Heute sind die meisten Gaststätten defakto tot, weil Busse das Ziel am Wochenende nicht mehr ansteuern.

Der anfallende Investitionsbedarf ist nun riesig. Eigene Ernte war das Kunststück, was ein Rewe im Wodantal nicht bieten konnte. Es muss geworben werden, man darf sich nicht NUR auf den Verkauft von O/G beschränken, sondern muss das Café wieder zur Kantine und Anlaufstelle von Senioren machen.

Passiert dies, kommt ein positiver Imagewandel zu Stande, der für eine Menge Neukunden vorwiegend aus dem Biobereich sorgen könnte.

Großunternehmer führt Hattinger Scheune in die Insolvenz
von DerWaschbaer | #2-3

Der Familie rund um den Hof Stock wünsche ich hier alles Gute, das dies gelingt. Ein kleiner Tip noch:

Ganz wesentlich, gerade zum Wochenende und den Bauermärkten hin war eine Tatsache: Unter den Liethmännern war das gesamte Gefolge eine riesige Familie.

Diesen Zusammenhalt sollte man nie vergessen oder unterschätzen. Am Ende von Bauernmärkten räumten wirklich alle mit auf, egal wer es war. Und dann saß man zusammen am Getränkewagen und ließ in riesiger Runde, mit Chef und mit Polen (Erntehelfer auf dem Feld und im Lager, Mithilfe beim täglichen Aufbau) den Abend zusammen ausklingen. Wohl eine der schönsten Erinnerungen ;)

16.10.2012
11:52
Großunternehmer führt Hattinger Scheune in die Insolvenz
von DerWaschbaer | #1

Hoffe, das die Scheune schnell wieder auf die Beine kommt. Am Herbstmarkt konnte man gut erkennen, was für ein Zugpferd auch heute noch in der guten Scheune steckt.

Das war so schön wie in grauer Vorzeit. Ich wünsche dem Unternehmen weiterhin alles Gute, ich glaube, das die neuen Ansätze wirklich gut sind.

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