Größer als ihre Gemeinde
17.07.2009 | 17:20 Uhr 2009-07-17T17:20:00+0200Auch an der Neuapostolischen Kirche geht die gesellschaftliche Entwicklung nicht vorbei. Ihre Mitgliederzahl schrumpft.
Prägnante und geschichts-trächtige Gebäude stehen in der Innenstadt reichlich. Soll es aber zudem noch ein schönes sein, wird dieser Kreis schon deutlich kleiner. Eines der Gebäude, die dann noch zur Auswahl stehen, ist die Neuapostolische Kirche am Beginn der Bruchstraße. Sie gibt seit ihrer Einweihung vor fast 55 Jahren eine gute Figur ab.
Die Hattinger Zeitung „Heimat am Mittag” freute sich mit der kleinen Kirchengemeinde, als sie am 5. November 1955 endlich ihr neues Domizil bezog und berichtete, dass der Wilhelmplatz ein beherrschendes Gebäude erhalten habe. Die drei runden Fenster an der Front, die vier langen Holzpfeiler, die das Vordach stützen, sowie der kunstvoll gestaltete Außenputz sind die Kennzeichen des Gotteshauses. Zur Orientierung: Die Wilhelmstraße erhielt erst später auch an dieser Stelle den Namen Bruchstraße.
Endlich eine eigene Kirche – das dürfte besonders den älteren Mitgliedern der damals 400 Seelen zählenden neuapostolischen Gemeinde unwirklich vorgekommen sein. Denn seit ihrer Gründung im Jahr 1903 fanden die Gottesdienste in vielen verschiedenen Gaststätten und sogar Wohnungen statt. Um endgültig sesshaft zu werden, fehlte meist das Geld. Denn Steuergelder oder staatliche Zuschüsse fließen bis heute nicht in die Kirchenkasse. Also wurde fleißig gespendet. 238 000 Mark kostete der Bau der 297 Quadratmeter großen Kirche, die inmitten des hektischen Autoverkehrs wie ein ruhender Pol wirkt. Das stets gepflegte Grundstück trägt seinen Teil dazu bei.
„Ihr Aussehen verdankt sie ausschließlich dem Architekten”, sagt Ulrich Frost, Bezirksleiter Ennepe-Ruhr der Neuapostolischen Kirche. „Sakrale Hintergründe gibt es nicht”, fügt Frost hinzu. Einen einheitlichen Baustil gäbe es nicht. Groß und geräumig präsentiert sich die Kirche an der Bruchstraße, während ihre 1978 erbaute und deutlich kleinere Schwester auf dem Haidchen in Welper durch ihre betont spitzgiebelige Bauweise ins Auge fällt.
Gemeinsamkeiten gibt es wiederum auf konfessioneller Ebene mit den beiden großen christlichen evangelischen und katholischen Kirchen – und zwar in der Ausrichtung. „Auch wir richten uns am Evangelium aus, glauben an Jesus Christus und beziehen uns auf Gott”, schildert Frost. Das Abendmahl wird regelmäßig gefeiert.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist die schrumpfende Zahl ihrer Mitglieder. Ulrich Frost: „Die demographische Entwicklung geht auch an uns nicht vorbei.” 400 Menschen fänden in der Kirche an der Bruchstraße Platz, doch nur noch 240 Menschen gehören der Hattinger Gemeinde an.
Ihr Alleinstellungsmerkmal verrät die Neuapostolische Kirche bereits durch ihren Namen. Ihre geistlichen Vorsteher werden als Apostel bezeichnet.
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