Grippeimpfung ohne Pikser
10.08.2012 | 18:37 Uhr 2012-08-10T18:37:00+0200
Hattingen. Im September kommt ein neuer Impfstoff für Kinder auf den Markt, der nasal verabreicht wird. Es gibt keine STIKO-Empfehlung alle Kinder zu impfen.
Wer schon einmal erlebt hat, wie laut ein kleines Kind schreit, wenn es eine Spritze bekommt, oder wie groß die Angst vor dem Besuch beim Kinderarzt sein kann, wenn das Kind vorher weiß, dass es dort einen „kleine Pikser“ bekommt, wird das freuen: Zumindest bei der alljährlichen Grippeimpfung könnte Kindern bald der schmerzhafte Pikser erspart bleiben. Im September kommt ein neuer Grippeimpfstoff für Kinder auf den Markt, der nicht gespritzt wird. Nach Informationen des Herstellers wird er nasal verabreicht – wie ein Nasenspray.
Für Kinderarzt Dr. Peter Stoll ist das eine Verbesserung: „Für ein Kind ist die Spritze schon mit Angst besetzt und natürlich tut das auch ein bisschen weh“, so Stoll. Aber, schränkt er ein, bei den meisten Kindern sei der Schmerz auch schnell wieder vergessen.
Alle wären gesünder
Interessant sei an dem neuen Impfstoff vor allem, dass es sich dabei um einen Lebendimpfstoff handele. Es werden also abgeschwächte, aber noch lebende Viren verabreicht. Das Ergebnis sei eine sehr viel stärkere Wirkung. Allerdings, gibt Dr. Peter Stoll zu bedenken, gebe es derzeit keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) Kinder grundsätzlich gegen Grippe impfen zu lassen. Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts heißt es dazu: „Die saisonale Influenza-Impfung (...) wird für gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht explizit empfohlen. Eine Erkrankung an Influenza in diesen Bevölkerungsgruppen verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen.“ Das bedeute jedoch nicht, dass die STIKO von einer Grippeimpfung für diese Personengruppen grundsätzlich abrate. Empfohlen wird dort ein Gespräch mit dem Hausarzt.
Auch Kinderarzt Dr. Stoll sagt: „Ich empfehle bis jetzt nicht die generelle Grippeimpfung.“ Er gibt aber zu bedenken, dass durch eine allgemeine Impfung alle gesünder wären. Denn, unter den Erkältungskrankheiten verberge sich oft die echte Grippe. Auch wenn sie für gesunde Kinder und Erwachsene eigentlich nicht lebensbedrohlich sei, bestehe natürlich immer die Gefahr jemanden anzustecken, für den es gefährlich sei.
Falls irgendwann einmal eine Grippeimpfung für alle eingeführt werden sollte, sei das mit einer nasalen, schmerzfreien Impfung sicher leichter, vermutet Dr. Stoll.
Und was sagen die Krankenkassen dazu? „Der Arzt entscheidet welchen Impfstoff er verwendet, ist dabei aber an die Wirtschaftlichkeit gebunden“, so Tanja Koch, von der Landespressestelle der Barmer GEK. Wichtig ist vor allem die Empfehlung der STIKO, und zwar sowohl für die gesetzlichen Kassen als auch für private Krankenversicherungen. Zu dem neuen Mittel, dass noch nicht auf dem Markt ist, äußert sich Dr. Gerd Benner, Pressesprecher der Debeka zurückhaltend: „Der Zusatznutzen des nasalen Impfstoffs im Vergleich zu den herkömmlichen lässt sich momentan noch nicht eindeutig erkennen.“ Falls es ihn gebe, gehe er aber davon aus, dass die Debeka analog zur STIKO-Empfehlung die Kosten übernehmen würde. Bleibt die Frage des Preises, auf die es wohl erst im Herbst eine Antwort gibt, da der Hersteller noch keine Angaben dazu macht.
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