Grilltruhe weicht Lebkuchenregal
04.09.2012 | 17:43 Uhr 2012-09-04T17:43:00+0200
Hattingen. Ja, is’ denn heut’ schon Weihnachten? Das fragt sich wohl so mancher Supermarkt-Kunde. In den Läden beginnt jetzt schon die Weihnachtssaison. Und die Kunden kaufen.
Alles muss raus. Zumindest was das Grill-Zeug anbelangt. Während der Altweibersommer noch einmal richtig Gas gibt, drücken auch die Supermärkte ordentlich auf die Tube: Sommerblumen weichen Herbststräuchern, Erdbeeren weichen Pflaumen, Grilltruhen weichen Lebkuchenregalen. „Ja, is’ denn heut’ schon Weihnachten?“, mag sich da so mancher Kunde kopfschüttelnd fragen.
Im Nettomarkt an der Heggerstraße fällt das Auge gestern Mittag als erstes auf das knackige Obst. Sommer, Sonne, Obstsalat. Doch was ist das? Neben Äpfeln und Birnen stehen sie schon, die Lebkuchen und Dominosteine. Hüfthoch stapeln sich die weihnachtlichen Leckereien, warten förmlich darauf, von der Palette ins Regal geräumt zu werden. „Wir haben die Sachen heute bekommen, die müssen jetzt so schnell wie möglich ins Regal“, gibt eine Angestellte Auskunft. „Die Leute sagen immer: Nee, wir kaufen jetzt noch nichts, das schmeckt noch nicht – und dann sieht man sie doch mit Lebkuchen und Spekulatius an der Kasse.“
Lager ist voll
Eine Erfahrung, die man auch im Rewe-Markt im Bruchfeld gemacht hat. Noch ist dort allerdings kein Weihnachtsgebäck zu sehen, auch kein Schoko-Nikolaus weit und breit. Stattdessen begrüßen bunte Sommerblumen die Kunden am Eingang, liegt Grillgut neben dem Obst in einer Truhe. Aber nicht mehr lange: „Die Grilltruhe kommt weg, da sollen die Weihnachtssachen hin“, erklärt die Substitutin. Die liegen noch im kühlen Lager, gleich palettenweise: „Es ist alles schon da, aber wir haben es noch verpackt gelassen, wegen der Inventur.“ So sei alles besser zu zählen. Und außerdem: „Es ist noch zu warm hier drin, das würde wegschmelzen.“ Bestellt wurde die Ware aber schon im Juli. Warum so früh? „Weil im Januar schon wieder für Ostern bestellt wird.“ Verkehrte Welt. „Aber die Leute wollen es so.“
So verheißt auch bei Hussel in der Fußgängerzone ein großes Schaufenster-Plakat den Passanten: „knusprig-frisches Spritzgebäck“. Auch Leb- und Pfefferkuchen liegen schon in den Regalen. „Das ist unser Herbstgebäck, damit eröffnen wir die Saison“, erklärt Filialleiterin Barbara Hausherr. Mit Absatz-Erfolg: „Einige sagen: Nee, das ist Weihnachtsgebäck – aber die meisten kaufen das schon.“ In etwa einem Monat kommen die Adventskalender, Anfang November auch die Schoko-Nikoläuse und die Weihnachtspräsente.
Weihnachtlich ist es Jörg Kleinert, Substitut im Rewe-Markt Heggerstraße, bei 22 Grad noch nicht zumute. Auch im Laden weihnachtet es noch nicht sehr. Nur eine brusthohe Palette Oblaten-Lebkuchen deuten bisher an, was da kommen wird. „Aufgrund der Witterung haben wir noch nicht mehr aufgebaut“, sagt Kleinert.
Gefühl für Weihnachten
Doch das Weihnachtsgebäck steht seit Freitag im Lager. Schoko-Nikoläuse und Dominosteine kommen erst später. „Das macht jetzt noch keinen Sinn, obwohl die Kunden schon danach fragen.“ Generell, findet Kleinert, sei das ganze Weihnachtsgeschäft noch zu früh: „Das müsste erst sechs Wochen vorher in den Verkauf, damit die Leute ein Gefühl für Weihnachten bekommen und Weihnachten nicht schon im September ist.“ Trotzdem soll die Ware nächste Woche ins Regal. „Die Leute wollen es so.“
06:31
"Die Leute wollen es so"
Blödsinn - meiner Meinung nach. Die Leute kaufen es, weil es im Angebot ist und natürlich auch lecker ist, aber es fragt wohl keiner im September nach, wo denn die leckeren Weihnachtssachen bleiben. Der Handel bietet es an, weil es sich verkauft, aber explizit früh nachgefragt wird es sicher nicht.