Glockenläuten mit Feingefühl

Pastor Bodo Steinhauer uim Glockenturm der ev. Kirche Winz-Baak.
Pastor Bodo Steinhauer uim Glockenturm der ev. Kirche Winz-Baak.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Evangelischen Kirchengemeinde Winz-Baak werden Gläubige eine halbes Stunde und zehn Minuten vorher gerufen. Glockenklang auch für Absturzopfer oder ein sterbendes Kind.

Hattingen..  Wer im Umkreis von Kirchen aufgewachsen ist, hört das Läuten von Glocken meist gar nicht mehr – wie Fotograf Walter Fischer, den jetzt aber nicht der Klang, sondern die Optik interessierte. Andere fühlen sich gestört. Dabei erklingen Glocken nicht wahllos und beliebig oft, sondern nach festgelegten Regeln, die in jeder Gemeinde etwas anders aussehen können.

Zu Zeiten wie Ostern, wo am Sonntag die Auferweckung Jesu von den Toten gefeiert wird, kann schon mal mehr los sein als an einem normalen Wochenende. Bodo Steinhauer will in der Wochenmitte vorher hoch hinaus. Nicht aus eigenem Antrieb. Um dem Fotografen ein besonders eindrucksvolles Bild zu ermöglichen, steigt der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Winz-Baak vielmehr erst die Holzstufen hoch und klettert dann innen in den Glockenturm, damit bebildert werden kann, wann Glocken läuten und wie das funktioniert.

Aufgabe des Küsterdienstes

Oben hängt der Pfarrer dann nicht etwa in den Seilen wie dereinst Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame in Paris. Bereits im vorigen Jahrhundert, dem 20., erhielten Glocken ein elektrisches Läutewerk. Den Prozessrechner sollen Techniker Quasimodo getauft haben. Auch in Winz-Baak läuten die Glocken – es gibt drei, die wie auch die Kirche 50 Jahre alt sind – automatisch, ohne dass der Pfarrer einen Finger rühren muss. Und zwar vor dem Gottesdienst um 10 und um 10.20 Uhr. Das Läuten ist Aufgabe des Küsterdienstes. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bekommen eine Einweisung.

„Die Funktion der Glocken ist, die Gläubigen einzuladen. Das kann zum Gottesdienst sein oder zu einer besonderen Veranstaltung“, erklärt Steinhauer. Die Glocken läuten dann eine halbe Stunde und noch einmal sieben bis zehn Minuten vorher. Wann geläutet wird, sei unterschiedlich und werde vom Presbyterium festgelegt. In engem Einvernehmen mit der Kommune und mit den örtlichen Gegebenheiten. Er versichert: „Wir läuten mit Feingefühl.“

Zum Vaterunser wird geläutet und zum Ausgang des Gottesdienstes. Wobei dann doch am Schaltkasten Hand angelegt werden muss. Schließlich ist das Ende nicht auf die Minute vorhersehbar. Und wer will schon, dass die Glocken sich im falschen Moment bemerkbar machen und Predigt oder Musik unterbrechen.

Geläutet haben die Glocken auch zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes. Solche Daten zu besonderen Anlässen müssen per Hand eingegeben werden. So ein Anlass war auch, als ein leukämiekrankes Kind starb, das öfter die Kirche besucht hatte und sich die Glocken zum Abschied wünschte.