Gewerkschaft kritisiert Extra-Arbeit zum Null-Tarif

Früher zum Job kommen und dann auch noch länger bleiben: Immer häufiger arbeiten Beschäftigte im Ennepe-Ruhr-Kreis länger, ohne dafür einen Cent Extra-Lohn zu bekommen. Das kritisiert jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Insbesondere in Back-Filialen und Fast-Food-Restaurants sei unbezahlte Mehrarbeit mittlerweile gang und gäbe. Die Zeiten der Vorbereitungen und Nacharbeiten werden einfach nicht bezahlt, so die NGG Südwestfalen.

„Es geht um die vielen Handgriffe, die nötig sind, bevor ein Backshop oder ein Fastfood-Restaurant aufgeschlossen und der erste Kunde bedient wird“, sagt Helge Adolphs. Der Geschäftsführer der NGG Südwestfalen beklagt, dass die Vorbereitung immer eine halbe Stunde dauere. „Oft geht sogar eine Stunde dabei drauf. Immerhin müssen die Fachverkäuferinnen und Aushilfen in Backshops den Ofen anheizen und die Rohlinge aufbacken. Sie räumen Brote in die Regale und Kuchen in die Theke. Brötchen müssen geschmiert werden und so weiter“, sagt Helge Adolphs. Der Start in den Backfilialen-Tag sei ein „Stress-Programm“. Bei einem Fast-Food-Restaurant sehe dies nicht besser aus.

Abends gehe es dann weiter: „Im Fast-Food-Restaurant müssen vom Salat bis zum Käse alle Waren in die Kühlung. Die komplette Küche wird penibel geputzt. Und die Kasse muss gemacht werden. Gerade in Backfilialen sparen sich Arbeitgeber oft sogar die Reinigungskräfte. Dann müssen Verkäuferinnen abends sogar noch die Toiletten sauber machen“, berichtet der NGG-Geschäftsführer.

„Dass die Beschäftigten dafür keinen Euro bekommen, ist unverfroren und unverschämt“, sagt Helge Adolphs. Unterm Strich würden Beschäftigte in Backshops und Fast-Food-Restaurants so dazu gezwungen, auf mehr als 200 Euro Lohn pro Monat zu verzichten. Adolphs sieht die Missstände insbesondere in Betrieben, in denen es keinen Betriebsrat gebe. Für Betroffene mit Lohn-Problemen hat die NGG eine Telefonberatung eingerichtet: 040/3 8013-255 (Gastro-Hotline) und 040/38013-265 (Bäcker-Hotline).