Gethmanns gute Gaben
12.02.2010 | 17:56 Uhr 2010-02-12T17:56:00+0100Der Unternehmer war maßgeblich am Bau der Kirche beteiligt. Das hat ihm die Gemeinde nicht vergessen.
Viele Kirchenhäuser in Hattingen, ganz gleich ob evangelisch oder katholisch, sind unter ähnlichen Umständen entstanden. Da den Gemeinden meist das Geld fehlte, haben sich allerorts Gemeinschaften gegründet und Spenden gesammelt. Die katholische Kirchengemeinde Blankenstein hatte etwas mehr Glück: Nach 150 Jahren voller Entbehrung und Improvisation öffnete der Unternehmer Karl-Friedrich Gethmann sein Portemonnaie und ließ die 1801 geweihte Kirche St. Johannes Baptist auf dem Marktplatz errichten.
Familie Gethmann genoss fortan einen noch höheren Stellenwert im Dorf. Im Alleingang unterstützte sie den Bau allerdings nicht – die Gemeinde gab Anleihen aus, um zusätzliches Geld in die leere Kasse fließen zu lassen.
Der Künstler Egon Stratmann erinnert sich: „Bis in die frühen 1970er-Jahre hatten die Gethmanns in der Kirche eine komplette Bank für sich. Gekennzeichnet durch feines Tuch, wusste jeder andere, wo er nicht Platz zu nehmen hatte.” Auch heute noch ist die Bank in der letzten Reihe reserviert. Inzwischen nimmt hier die Küsterin Platz.
Den Vergleich mit Familie Gethmann braucht Egon Stratmann nicht zu scheuen. Dass die Kirche heute über die Grenzen Hattingens einen ausgezeichneten Ruf genießt, ist nämlich auch sein Verdienst. Auf die Ideen des 73-Jährigen gehen Ausmalung und Farbgebung im Innenraum zurück, zudem schuf er den Opferaltar. Interessant ist die Entstehung des in Bronze festgehaltenen Kreuzweges Jesu: Er entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus Hülsen von Mörsergranaten.
„Wer diese Hintergründe kennt, der versteht auch, weshalb die Blankensteiner das alles unbedingt erhalten wollen”, sagt Cornelia Schawacht, die zweite Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung und Bewirtschaftung des katholischen Gemeindehauses in Blankenstein. Ob das gelingt, ist nicht immer noch nicht sicher.
Aber die Katholiken im Ort blicken auf eine lange Tradition zurück, in der es immer wieder zu existenziellen Sorgen kam. So wurde ihnen ab dem Jahr 1643 der Gottesdienst in der Schlosskapelle verwehrt. In ihrer Not zogen sie ins Rathaus auf dem Marktplatz, erwarben es 1794 und begannen an Ort und Stelle mit dem Bau der heutigen Kirche. Die verwertbaren Reste des Rathauses wurden verkauft und die Erlöse ebenfalls in den Bau gesteckt. Das hätte schon viel früher passieren können, doch 1781 galt es einen weiteren Schicksalsschlag zu verkraften: Das Pastoratshaus stürzte durch einen schweren Sturm ein. Geld, dass langfristig für einen Kirchbau verwendet werden sollte, floss dadurch in den Wiederaufbau des Hauses.
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