Gesundheit fängt im Garten an

Johanniskraut wächst auch an der Ruhr wie hier bei Birschels Mühle. Bei dieser Pflanze hat der Stengel heilende Wirkung.
Johanniskraut wächst auch an der Ruhr wie hier bei Birschels Mühle. Bei dieser Pflanze hat der Stengel heilende Wirkung.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Was eine Teemischung bewirken kann und was nicht: Beim Altstadtgespräch im Alten Rathaus in Hattingen ging es um Heilpflanzen und Küchenkräuter.

Hattingen..  Wohlige Gerüche von Lavendel, Kamille und Malve durchzogen am Mittwochabend das Alte Rathaus. Kein Wunder, ging es doch um „Heilpflanzen und Küchenkräuter“. Apotheker Rolf Jägers und Dr. Stefan Fey, Oberarzt der Klinik für Naturheilkunde in Blankenstein, waren die Referenten beim Altstadtgespräch. Und offenbarten, dass der kürzeste Weg zur Gesundheit durch den Garten führt.

Sie verdeutlichten, wie hilfreich Kräuter und Teemischungen sein können und worauf bei Kräuterwahl und Eigenherstellung zu achten ist. „Manche Beschwerden können mit so genannten Teedrogen behandelt werden. Doch es gibt auch Erkrankungen, bei denen das keinen Sinn macht, weil zu viele Bestandteile enthalten sein müssen“, erklärte Jäger und nannte Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Beschwerden, zentralnervöse und psychische Störungen sowie Nieren- und Blasenleiden als „tee-kompatibel“, während eine Teekur für Herzkreislauferkrankungen, Veneninsuffizienz und Hautverletzungen nicht geeignet sei.

Während die meisten Heilwirkungen wie bei Kamille, Arnika, Malve, Lavendel, Pfefferminze oder Brennnessel aus der Blüte resultieren, kann die Genesungshilfe je nach Gewächs auch aus anderen Pflanzenteilen stammen. So seien es beim Fenchel die Früchte, bei der Weide die Rinde, beim Senf der Samen, beim Baldrian die Wurzel oder beim Johanniskraut der oberirdische, nicht verholzte Stängelteil. Zur eigenen Teezubereitung stehen mit Aufguss, Abkochung und Kaltauszug drei Möglichkeiten der Herstellung zur Verfügung. Während die Pflanzenteile beim Aufguss mit kochendem Wasser übergossen und anschließend abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen müssten, würden sie bei der besonders für Baldriantee geeigneten Abkochung zunächst in kaltem Wasser angesetzt und dann kochen gelassen, so der Apotheker.

Stefan Fey empfahl bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden einen Früchtemix aus Anis, Kümmel, Fenchel und Koriander, während bei Fieber ein Mix aus der „Vitamin-C-Bombe“ Hagebutte, Holunder und Lindenblätter helfe. Als „Schlaf-Tee“ würden sich Hopfenzapfen, Melisse und angstlösend wirkendes Passionsblumenkraut eignen. Als „Blasen- und Nieren-Tee“ riet der Oberarzt zu einer Mischung aus Bärentraubenblättern, Birkenblättern und Goldrutenkraut. „Ein guter Tee hat maximal fünf Bestandteile“, weiß Frey und entlarvte Discounter-Teemischungen mit bis zu 20 verschiedenen Wirkstoffen aufgrund ihrer geringen Einzelkonzentrationen als medizinisch unwirksam. Beim eigenständigen Kräutersammeln müsse man indes darauf achten, dass die Pflanzen unbelastet sind.