Gesamtschule: Lage ist grenzwertig

Dr. Elke Neumann
Dr. Elke Neumann
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Was wir bereits wissen
Am Gymnasium Waldstraße darf nach Ostern kein Lehrer mehr ausfallen. An der Realschule Grünstraße wird die hochgerechnete Zahl skeptisch gesehen.

Hattingen..  Zahlen, wie viel Schulunterricht ausfällt, gibt es nicht. Doch auch ohne genaue Werte bezeichnet Gesamtschulleiterin Elke Neumann die Situation als grenzwertig und spricht von einer Riesenlücke. An der Waldstraße darf „nach Ostern kein Lehrer mehr ausfallen“, so Schuldirektor Heinz Niggemann.

Dabei weiß Niggemann, dass er bis Ostern hinkommen wird. Dann ist das Vertretungskontingent ausgeschöpft. Maria Kreidler, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende dort, lobt die Vertretungspläne. Die Eltern seien aber auch „ganz aktiv“. So hätten sie sich beispielsweise in Arnsberg für mehr Lehrer stark gemacht, was einen Abzug im Gymnasium Holthausen zur Folge hatte. Es gebe „viele kleine Nadelstiche“, die Unterrichtsausfall bedeuten, aber nicht als solcher anerkannt sind. Von der Klassenfahrt bis zum Lehrer im Sabbatjahr.

Die Statistik des Schulministeriums, so stellvertretender Sprecher Jörg Harm, weist nicht einmal aus, ob Schulen aus Hattingen oder dem EN-Kreis zu den Stichproben herangezogen wurden. Die Kreisverwaltung hat ebenso wenig Zahlen wie die Bezirksregierung. Schulleiter vor Ort können keine Angaben machen, wissen aber, dass es den Eltern zu viele Ausfallstunden sind, und verstehen deren Ärger. Das Grundproblem lösten nur mehr Lehrer.

Doch: „Wir arbeiten ohne Reserven“, sagt Jürgen Ernst, Leiter der Realschule Grünstraße. Er war schon mehrmals unter der Lupe – „ich habe drei Stichproben mitgemacht“ – allerdings noch als Chef der Realschule im Schulzentrum. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann sprach angesichts eines Ausfalls von durchschnittlich 1,7 Prozent von einem erfreulichen Ergebnis, niedriger als vor fünf Jahren. Ernst sieht die stichprobenartig erfassten Werte kritisch, wird doch „ein Zeitraum von zwei Wochen herausgegriffen“ und hochgerechnet. Schwappt gerade eine Grippewelle über Schulen, fällt das Ergebnis anders aus als zu anderer Zeit.

An der Gesamtschule ist „dieses Halbjahr schwierig“. Elke Neumann hat keinen Ersatz für vier Lehrer bekommen, die in Pension gegangen sind. Und könne deshalb keine flexiblen Mittel für Vertretungen anfordern. Die gebe es bei Krankheit über vier Wochen, doch würden oft nur weniger Stunden ersetzt. Und vier Referendare, die 36 Stunden abdeckten, „fast eineinhalb Stellen“, sind im zweiten Halbjahr in der Examensphase. „Die Grundversorgung können wir regeln“, den Ganztag aber nicht abdecken. Die Gesamtschule sei kein Einzelfall, jede Schule habe irgendwann Durststrecken.