Geräuschvolle Ausstellung in Hattingen

Um Geräusche ging es im Industriemuseum – wie das Klingeln eines Weckers, das sich Anke Hettstedt mit Tochter Carla anhören.
Um Geräusche ging es im Industriemuseum – wie das Klingeln eines Weckers, das sich Anke Hettstedt mit Tochter Carla anhören.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Sonderausstellung „Work With Sounds“ im LWL-Industriemuseum Henrichshütte ist ein EU-Projekt. Außerdem beteiligten sich in Hattingen Bügeleisenhaus und Stadtmuseum am Museumstag

Hattingen..  Mit welchem Weckton sind Menschen vor 100 Jahren erwacht? Und wie kommen Geräusche eigentlich in den Trickfilm? Das alles und viel mehr konnten die Besucher des Industriemuseums Henrichshütte am Sonntag erfahren. Denn zum Internationalen Museumstag zeigte das Museum die Sonderausstellung: „Work With Sounds“ – Arbeit mit Geräuschen. Für das EU-Projekt kooperiert das LWL-Industriemuseum mit fünf weiteren Museen aus Schweden, Belgien, Slowenien, Polen und Finnland.

Für das EU-Projekt „Work With Sounds“ trugen die sechs Museen bis jetzt weit über 400 Klänge zusammen. „Das Ziel bei diesem Projekt ist es, veraltete und teilweise vergessene Geräusche zu sammeln und zu archivieren“, erklärt Organisator Konrad Gutkowski. Die Besucher konnten in Hattingen die Geräusche aus der Arbeitswelt um den Hochofen an verschiedenen interaktiven Stationen entdecken.

In der Möllerung waren Exponate ausgestellt, die die Geräuschwelt des Arbeitens und des Alltags veranschaulichen sollten. So wurden beispielsweise Wecker aus verschiedenen Epochen gezeigt. Bei jedem Ausstellungsstück konnten die Gäste über Kopfhörer lauschen, wie es geklungen hat. An anderer Stelle des Museums konnten die Besucher an der Klangstation selbst kreativ werden: An einem Mischpult durften sie bis zu fünf unterschiedliche Klänge durch verschiedene Geschwindigkeiten und Lautstärken zu einer eigenen Komposition zusammensetzen. „Die Tonspuren, die die Besucher hier zusammenstellen, können sie auch mitnehmen“, erklärt Medienkünstler Florian Hartlieb. Dazu müssten sie sie nur unter ihren Namen abspeichern, am nächsten Tag stünde die Tonfrequenz als Download bereit.

Florian Hartlieb komponierte auch die Klanginstallation „Unter Tage“, die im Luftschutzstollen präsentiert wurde. „In der Installation wurden die gesammelten Klänge und das vertonte Tagebuch des Hattinger Bergmanns Karl Krampe miteinander verbunden“, schildert Gutkowski. „Die Enge des Stollens, die Erzählungen, die von Krampes Erlebnissen unter Tage berichten, sowie die verzerrten Geräusche der Maschinen sollen eine traumähnliche Atmosphäre schaffen.“

Beim Geräusche-Quiz im Foyer des Museums ging es darum, die Geräusche den verschiedenen Maschinen zuzuordnen. „Hört genau hin“: Museumsbesucher Kai Schabio versuchte sich mit seinen Söhnen Aaron und Valerian direkt einmal daran. Und immerhin drei von fünf Töne erkennen sie.

Neben diversen Führungen, die durch die Dauer- und die Sonderausstellung führten, präsentierte der Geräuschemacher Dieter Hebber in einem unterhaltsamen Vortrag sein Handwerk. So konnten die Zuschauer beispielsweise dabei zusehen, wie mithilfe von Besen, Sandsäcken und enorm vielen Schuhpaaren auf unterschiedlichen Untergründen Geräusche vertont werden und wie aus einem Handschuh das Geräusch eines wegflatternden Vogels wird.