Geistesblitze und Gedankensprünge

Martin Zingsheim im Alten Rathaus.
Martin Zingsheim im Alten Rathaus.
Foto: WAZ FotoPool
Martin Zingsheim handelt im „Kopfkino“ Absurditäten ab und Themen vom Schutz vor Terroristen übers Medienzeitalter bis zum Geschlechterverhältnis.

Hattingen..  „Kopfkino“ nennt Senkrechtstarter Martin Zingsheim sein neues Musik-Kabarett, das er im ausverkauften Alten Rathaus vor einem begeisterten Publikum präsentierte. In rasanten Assoziationen mit witzigen Kombinationen handelt er die Themen der Zeit ab.

Nichts ist vor seinem Witz sicher, der so harmlos unbekümmert daherkommt und dann so plötzlich genau ins Schwarze trifft: Von der Überwachung zum Schutz vor Terroranschlägen über individuelle Befreiungsversuche im allumfassenden Medienzeitalter, den Führungsstil in der Politik, Sichtweisen auf das Denken, Absurditäten der Kulturförderung, das Konzept Kindheit, gesunde Ernährung bis hin zum Dauerbrenner Verhältnis der Geschlechter reicht die Palette, auf der Zingsheim die Farben immer wieder neu mischt.

Das Allroundtalent ist ein charmanter Unterhalter und Musiker, vor allem aber ist er ein vor Ideen und Geistesblitzen übersprudelnder Wortakrobat, der in faszinierenden Gedankensprüngen Themen miteinander verbindet und dabei so verfremdet, dass die mit ihnen verbundenen Absurditäten sinnfällig werden. Wie weit soll denn die Körperkontrolle zum Schutz vor Terroranschlägen gehen? Wird das unter Umständen nicht eine ästhetische Belastung, die sogar das Dschungelcamp noch übertrumpft? Und wie revoltiert man gegen das allbeherrschende Medienzeitalter?

Zingsheim schlägt eine Non-Sens-Strategie vor: Wie wäre es, wenn man nicht existierende Wortneuschöpfungen googelt oder eine E-Mail mit dem Füller schreibt? Dass sie nicht ankommt ist dabei nebensächlich - was zählt, sind die subversive Handlung und die mit ihr einhergehende Befreiung! Zingsheim outet sich auch als Anhänger einer philosophischen Denkrichtung. Diese wechselt jede Woche, doch so bleibt man flexibel und immer ein Konstruktivist, der sich seine eigene Welt bastelt, immer wieder neu.

Das verändert auch die Sichtweise immer wieder: Faschistoide Politikerparolen kann man als neurologische Eigentümlichkeiten wahrnehmen, und die diversen Kulturfestivals lassen sich ganz schnell in drei Kategorien zusammenfassen: Eins für alte, eins für neue und eins für schlechte Kultur. Dort darf man dann auch mal ein postmodernes Bild einfach nur Scheiße finden. In bewusst einfacher Sprache gehaltene Parteiprogramme wie zum Beispiel bei den Grünen entlarvt Zingsheim als „literarische Narkotika“; und politische Führungsstile erinnern ihn ohnehin an Dirigenten, die zur vorproduzierten CD der Wirtschaft noch die Anweisungen nachtragen.