Ganztag: Geld und Personal fehlen

Foto: Fischer
Stadt räumt Qualitätsverlust nach System-Umstellung vom Hort vor mehr als zehn Jahren ein. Träger sorgen sich um Absicherung der Arbeit der Zukunft.

Hattingen..  Immer mehr Eltern melden ihre Grundschulkinder für den Ganztag an – vier von zehn Jungen und Mädchen nutzen inzwischen die Möglichkeit. Dieser funktioniert, weil die Betreuungskräfte bis an die Grenze der Belastbarkeit gehen und viele Stunden „ehrenamtlich“ arbeiten, ohne bezahlt zu werden. Doch es wird immer schwieriger, mit zu wenig Geld und Personal zurechtzukommen. Das ist die Quintessenz der unterschiedlichen Erfahrungsberichte Betroffener zur Arbeit in den Offenen Ganztagsgrundschulen.

Mit dem Thema beschäftigte sich der Schulausschuss. Beigeordnete Beate Schiffer räumte „viele Mängel“ ein. Die Stadt habe eingeladen um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Im Jahr 2003 habe ein Systemwechsel stattgefunden. Nach dem Hort sei nicht der gebundene Ganztag eingeführt worden, sondern „preiswertere außerschulische Betreuung“. Die Qualität könne nicht die gleiche sein.

Iris Michallek ließ die Einführung des Offenen Ganztags Revue passieren, der im Schuljahr 2014/15 in Holthausen startete. In den darauffolgenden fünf Jahren zogen alle anderen Grundschulen nach – bis auf Bredenscheid. Dort gab es zu wenige Anmeldungen, als es noch Fördermitteln für den Offenen Ganztag gab.

651 Kinder – 39,1 Prozent aller Schülerinnen und Schüler – besuchten Mitte Oktober 2014 den offenen Ganztag. Am meisten waren es in der Grundschule Bruchfeld mit 107 Kindern (56,6 Prozent), am wenigsten an der Weiltor-Grundschule St. Franziskus mit 63 Schülern (29,7 Prozent). An der Grundschule Heggerfeld, wo 20 unterschiedliche Nationalitäten vertreten sind, sind mit 83 Ganztagskindern 46,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler auch nachmittags in der Einrichtung.

Hans-Werner Ludwig vom Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten fasste als einer der Träger den „Grundtenor“ zusammen: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Arbeit in Zukunft absichern.“ Auch viele Dinge seien inzwischen verbraucht, Ersatzbeschaffungen oft schwierig, weil unklar sei, ob die Stadt oder der Trägerverein die Kosten trage.

Beigeordneter Beate Schiffer war der steigende Bedarf an Plätzen deutlich geworden. Jede Ausweitung des Ganztags sei aber nur über die Elternbeiträge möglich. Zur Diskussion, ob sich die generelle Öffnungszeit von 7 bis 17 Uhr verkürzen lasse, sagte Maria Schomacher (Grüne) „als Oma eines schulpflichtigen Kindes“, man müsse mit Blick auf berufstätige Eltern eher über eine Flexibilisierung nachdenken.

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