Fotograf sucht nach dem Leben nach der Hütte

Dem  „New Pott“ auf der Spur: Pino BertelliFoto:Paola Grillo
Dem „New Pott“ auf der Spur: Pino BertelliFoto:Paola Grillo
Was wir bereits wissen
Pino Bertelli ist vom 2. bis 8. April in Hattingen auf Motivsuche.

Hattingen..  Im Vorfeld der nächsten Ausstellung im Industriemuseum Henrichshütte hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe den renommierten italienischen Fotografen Pino Bertelli eingeladen, in Hattingen nach Spuren des Strukturwandels zu suchen. Vom 2. bis 8. April fängt er mit seiner Frau Paola Grillo und der deutsch-italienischen Foto-Künstlerin Sabine Korth in Hattingen „postmontane Bilder“ ein.

Bertelli stammt aus dem toskanischen Piombino. Größter Arbeitgeber mit bis zu 10 000 Beschäftigten war in der Küstenstadt, die Heimat für 35 000 Menschen ist, das Stahlwerk Lucchini. Im Jahr 2012 kämpfen noch 2500 Hüttenwerker um ihre Arbeitsplätze.

Bertelli geht nun der Frage nach: Gibt es ein Leben nach der Hütte? Hattingen zeigt deutliche Parallelen zu Piombino auf. Den Weg, den die Region heute beschreitet, ist Hattingen bereits 25 Jahre zuvor gegangen. Bertelli fragt: Wie sieht eine Stadt aus, die diesen schwierigen Prozess in großen Teilen hinter sich hat? Eine schöne neue Welt, auch Wunden, die nicht heilen wollen? Erleichterung und Freude über das Neue oder Stolz auf das Gewesene – oder beides?

Das LWL-Industriemuseum ist gespannt, was dieser „andere Blick“ entdecken mag. „Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihnen über die Ostertage ein mit Kameras behangener Tross über den Weg läuft“, warnt Museumsleiter Robert Laube vor. Pino Bertelli arbeitete selbst 25 Jahre auf der Hütte. Seine Qualität als Fotograf ist es, den Menschen hinter seinen Zuschreibungen zu entdecken. Bertelli: „Ein Fotograf ist immer ein Seelenräuber. Aber da ich den fotografierten Menschen respektvoll, liebevoll und kameradschaftlich begegne verstehen sie immer, dass ich ihre Menschenwürde und nicht ihre Rolle wiedergebe.“

Die Ergebnisse der Fototour Bertellis werden ab 22. Mai im Industriemuseum zu sehen sein. In der Ausstellung „Uomo e Macchina – Mensch und Maschine“.