Fitness-Programm für Speck-Musiker

Unter dem Motto "Speck is Back" trat die Band der Herzen im CVJM in Hattingen auf.
Unter dem Motto "Speck is Back" trat die Band der Herzen im CVJM in Hattingen auf.
Foto: Duhme
Was wir bereits wissen
Schräg, schräger, Band der Herzen: Mit pfundweise Selbstironie und Mitsing-Hits bringendie Bandmitglieder das Publikum im CVJM und sich selbst zum Schwitzen.

Hattingen..  Sie sind die, die so unverzichtbar sind, dass man sie eigentlich gar nicht braucht. Und sie sind zurück. Sie sind innerlich gereift und äußerlich verkommen. Und präsentieren ihren Speck mit Stolz. Sie sind Männer mit Rhythmus, bei dem man einfach mit muss. Und sie können nichts richtig – aber davon ganz schön viel. Die Band der Herzen feierte ihre Rückkehr auf die Bühne. Die war alles andere als eine bierernste Veranstaltung – gleich pfundweise hatten die Musiker Selbstironie im Gepäck.

Mit 200 Ruhepuls und einem Blutdruck von 180 zu 30 ging es nicht mehr weiter. Sie wollten nicht zurück auf die Bühne, aber sie müssen. Mit einem Body-Mass-Index von über 40 steht für jeden einzelnen das Leben auf dem Spiel. Deshalb hat ein Fitnessguru dieses Comeback-Fitness-Programm für die abgehalfterten Musiker entwickelt. Bier, Bühne und Bewegung. Und das gab es jetzt im CVJM.

Nachdem die Vorgruppe Longuste und die Krustentiere die Betriebstemperatur in den prall gefüllten Räumen auf gefühlte 38,9 Grad Celsius hochgetrieben hatte, bequemten sich auch die fett und faul gewordenen Mitglieder der Band der Herzen gegen 22 Uhr auf die Bühne. Das Wasser lief von den Wänden, der Schweiß brannte in den Augen, als unter dem Motto „Speck ist back“ gefeiert wurde, bis die Pfunde schmelzen.

Perfekte Show

Aber Witz beiseite: Die Band liefert sowohl optisch als auch akustisch eine perfekte Show ab. Mit Trainingsanzügen, Goldketten und Caps erobert sie – wie kann es bei dem Namen anders sein – die Herzen aller Zuschauer und -hörer. Die Vorbereitungen waren auch hart genug: Um so gut auszusehen, haben die Jungs die vergangenen Wochen keine Kosten und Mühen gescheut und so viel und gut gegessen, wie es nur eben geht. Als optische Leckerbissen wurden nun noch zwei brünette Tänzerinnen auf die Bühne geholt – dabei wollten sie Musiker, zugegeben, eigentlich Blondinen, aber die gab es nur noch in dünn.

Die Songauswahl: allererste Sahne. Eigentlich gab es kaum einen Titel – ach was, es gab keinen – bei dem nicht mindestens die Hälfte des bunt gemischten Publikums lauthals mitgrölen konnte. „Das sind Bibi und Tina...“ startet Sänger Philipp einen Stimmungstest. „Auf Amadeus und Sabrina“, singt das Publikum – bedenklicherweise vor allem die Männer – ihn gegen die Wand. Definitiv bestanden. „Wir sind nicht schön, wir sind nicht sexy, aber wir sind heute Abend hier“, eine klare Einleitung des Titels „Sexy“.

Ob man die Songs nun mag oder nicht – man wird einfach mitgerissen, denn die Band der Herzen drückt jedem Lied ihren ganz persönlichen Stempel auf. Aus dahinvegetierenden Rockern werden wieder strahlende Stars. Das Publikum dankt es mit Wahnsinns-Applaus und Bomben-Stimmung. Und wer nicht Macarena tanzt, der lässt die Pfunde beim Discofox purzeln.