Fackelführung und Fotosession

Foto: Fischer / Funke Foto Services
Das Industriemuseum an der Henrichshütte lud zur Fackelführung. Fotograf aus Italien sammelt dort Eindrücke für seine Heimat.

Hattingen..  Sie beginnt wie jede Museumsführung über das Gelände des ehemaligen Stahlwerks an der Henrichshütte. Doch sobald die Sonne untergeht werden die Fackeln entzündet. Und das Publikum war dieses Mal international. Denn Fotograf Pino Bertelli und seine Frau Paola aus der Toskana, die derzeit auf Fototour in Hattingen sind, begleiten die Gruppe.

Das was vorne erklärt wird verstehen sie zwar nicht, doch das sei kein Problem. „Mein Mann Pino hat etwa 25 Jahre lang selbst in einem Stahlwerk in unserer Heimatstadt Piombino gearbeitet“, erklärt Paola Bertelli in gutem Englisch. Er könne ihr genau alle Arbeitsschritte erklären. Und mit eigenen Geschichten aus seinem Arbeitsleben an der Hütte anreichern.

Pino Bertelli ist auf die persönliche Einladung von Museumsleiter Robert Laube nach Hattingen gekommen. Durch viele Zufälle hatte Laube mit einer in der Toskana lebenden Fotografin Kontakt geknüpft – daher entstand die Verbindung. „Mein Vater wohnt in Bochum, daher kannte ich auch vorher schon Hattingen“, erzählt Sabine Korth, die jetzt als Dolmetscherin für die italienischen Gäste aushilft. „Herr Laube war sofort begeistert von Piombino, weil es ihn an Hattingen vor 30 Jahren erinnerte.“

Denn das, was 1987 während des Hüttenkampfes in Hattingen geschah, ereignet sich derzeit in der Heimat der Bertellis: Im Februar wurde dort der letzte Hochofen ausgeblasen; über 2500 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Deshalb ist Bertelli jetzt in Hattingen auf der Spur des Lebens nach der Hütte.

Klick. Klick. Bertelli ist auch an diesem Abend während der Führung über das Gelände ständig auf der Suche nach neuen Motiven. Das ehemalige Hüttengelände in Hattingen gibt ihm Hoffnung. „In Piombino sind die Menschen so voller Angst, dass wenn die Hochöfen erloschen sind, auch das tägliche Brot fern bleibt.“ Hier seien die Menschen auch in soziokultureller Sicht so viel weiter. „In Hattingen hat man begriffen, dass die Industrie, nicht nur Schweiß und Arbeit, sondern auch Kultur bedeutet. Ich hoffe, dass auch nicht Menschen in meiner Heimat bald dazu in der Lage sind.“