Erzieherin darf nicht allein betreuen

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Emotionen kochen hoch im Kita-Streik. Die Eltern fühlen sich als Streikbrecher. Die Stadt versucht die Wogen zu glätten. Ein Termin findet am Mittwoch an der Wagnerstraße statt.

Hattingen..  Im Kita-Streik kochen Emotionen hoch. Manche Eltern, die die Betreuung selbst organisieren, fühlen sich als Streikbrecher. Zorn entlädt sich auf Erzieherinnen. Zu Kitas, die geschlossen sind, solchen mit Notgruppen und anderen, in denen Eltern einen eingeschränkten Betrieb aufrecht erhalten, ist eine neue Variante im Oberwinzerfeld gekommen: Während drei Mütter sich um acht Kinder kümmern, erledigt eine Erzieherin, die nicht streikt, Büroarbeit und sorgt bei Eltern für Irritationen.

Dezernentin Beate Schiffer und Pfarrer Bodo Steinhauer, an den sich mehrere Eltern gewandt und um Moderation gebeten haben, versuchen Wogen zu glätten und plädieren für Gesprächsbereitschaft. Die hat die Kita-Leitung an der Wagnerstraße nach Auskunft von Eltern signalisiert und für den heutigen Mittwoch dort um 16.30 Uhr zu einer Zusammenkunft eingeladen. Eine Mutter wünschte sich für die berufstätigen Eltern – „die trifft es am meisten“ – einen Termin um 18.30 Uhr im Gemeindehaus. Pfarrer Steinhauer hat ihn vorgemerkt, von den Eltern aber keine Rückmeldung bekommen.

Aufgeheizte Stimmung

„Eltern, die sich in der Notgruppe engagieren, wird vorgeworfen, den Erzieherinnen in den Rücken zu fallen“, sagt eine Mutter. „Die Stimmung ist momentan so aufgeheizt, dass einige schon Angst haben, ihr Kind nach dem Streik wieder in den Kindergarten zu bringen. Viele trauen sich nicht, offen ihre Meinung zu sagen“, erklärt die Frau, die vorige Woche bei der Demo im Rathaus dabei war, als Eltern ihre Kinder im Büro der Bürgermeisterin abluden. Und einen Schlüssel für die Kita Oberwinzerfeld bekamen. In zwei weiteren Einrichtungen werden Kinder inzwischen von Eltern betreut.

Für eine Polizistin, die sich mit ihrem Mann im Schichtbetrieb abwechselt, ist wichtig, dass Eltern und Erzieherinnen miteinander sprechen. Lokführer Christian Pommerenke fände es gut, den Streik nach dem Angebot der Arbeitgeber für maximal sieben Tage auszusetzen. Tanja Thelen kann ihr jüngstes von drei Kindern zur Arbeit in einer urologische Praxis in Sprockhövel mitnehmen. „Das geht, wenn ich an der Anmeldung arbeite“, sagt sie. Eine andere Mutter konnte bisher nach einer berufsvorbereitenden Maßnahme im HAZ vor einer Ausbildung kein Praktikum machen. Kinderbetreuung kam dazwischen.

Die Erzieherin an der Wagnerstraße „darf alleine keine Gruppe übernehmen“, sagt Dezernentin Schiffer. Drei bis vier Kräfte seien nötig, auch wenn die Gruppe der Kinder im Moment viel kleiner als üblich sei. Sie fand es wichtig, dass die Kinder in gewohnter Umgebung spielen können. Und alle Erwachsenen, trotz unterschiedlicher Ansichten, zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten.