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Erfahrungen mit dem Tod

15.01.2016 | 18:00 Uhr
Erfahrungen mit dem Tod
Uwe SchulzFoto: Manfred Sander

Hattingen.  Uwe Schulz stellte in der Stadtbibliothek sein Buch „Nur noch eine Tür“ vor. Jugendlicher redet lieber übers Leben, Buchhändler plant seine eigene Bestattung.

„Nur noch eine Tür“ heißt das neue Buch von Uwe Schulz, das der Autor und WDR-Moderator am Donnerstagabend in einer Lesung in der Stadtbibliothek vorstellte.

Die zutiefst berührenden Reportagen setzen sich mit dem Thema Tod auseinander: Wie erleben Sterbende und ihre Begleiter diesen Prozess? Was kommt nach dem Tod? Uwe Schulz hat sich diesem gesellschaftlich oft tabuisierten und verdrängten Thema sehr einfühlsam genähert, in tiefer Achtung vor den Menschen, ohne Scheuklappen und falsche Scham, ohne beschönigende Klischees. Während der Lesung hätte man eine Stecknadel fallen hören, so sehr gehen seine Berichte unter die Haut.

Der Jugendliche Niko, voller Vorfreude auf sein Austauschschuljahr in den USA, dann durch einen aggressiven Gehirntumor teilweise gelähmt und entstellt, vermisst am meisten all die normalen Erfahrungen, die er nie wird machen können: Den Schulabschluss, die erste Freundin, eine Familie gründen. Über das Sterben möchte er mit dem Journalisten nicht sprechen: „Ich möchte über das Leben reden, denn die Hoffnung stirbt zuletzt – und meine erst mal gar nicht.“ Die Entfremdung von seinem Körper erlebt er durch seine Krankheit, aber auch neue Erfahrungen mit seinen Eltern, die er sonst wahrscheinlich nicht gemacht hätte. „Gott hat mir einen Stopper in den Weg gesetzt, das ist eine der härtesten Lektionen.“ Und er möchte nicht vergessen werden.

„Die Erfahrung des Todes macht einen nicht schlauer, aber auch nicht besser oder schlechter“, kommentiert Manfred Sarazin. Der 62-jährige krebskranke Buchhändler hat in lakonischer Heiterkeit bereits seine Bestattung geplant und noch so viel Zeit wie möglich mit guten Freunden verbracht. „Ich möchte, dass die Leute von meiner Beerdigung mit Schmunzeln nach Hause gehen.“ Aber auch zornige Phasen erleben viele bei der Auseinandersetzung mit dem Sterbeprozess: „Manchmal bin ich stinksauer, weil die subjektive und die objektive Lage stark auseinanderdriften“, fasst der Rechtsanwalt und Parlamentarier Wolfgang Bosbach seine Gefühle zusammen.

Eigene Erfahrungen beim Tod seiner Mutter hat Uwe Schulz auch beschrieben, Kraft hat er in der Lyrik von Dietrich Bonhoeffer gefunden. Benediktinerin Schwester Agniella nimmt ihren bevorstehenden Tod an: „Ich bin bereit, war mehrfach bereit, aber irgendwie hat Gott Spaß daran, einen warten zu lassen.“

Konstanze Führlbeck

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2016-01-15 18:00
Hattingen