Entscheidungen zwischen Recht und Moral

Foto: Volker Speckenwirth
Was wir bereits wissen
  • 58 Schöffen sind in der aktuellen Amtszeit im Einsatz
  • Sie haben das gleiche Stimm- und Fragerecht wie der Richter
  • Diskussionen über Bauchgefühle gibt es häufiger

Hattingen..  Die Fernsehzuschauer sollten in dieser Woche beim TV-Experiment „Terror – Dein Urteil“ eine Entscheidung treffen: schuldig oder nicht. Auch in Hattinger Gerichtsverhandlungen entscheiden jede Woche Bürger ohne juristische Vorbildung mit – als ehrenamtliche Schöffen. Wie im Fernseh-Experiment stehen sie vor der Entscheidung: Was fühlt sich richtig an und was ist rechtens?

58 Hattinger wurden in der aktuellen Amtszeit, die im Januar 2014 begann, Schöffen. Fünf Jahre bekleiden sie das Ehrenamt, entscheiden im Amtsgericht und bei der Strafkammer des Landgerichts mit. Dabei hat ihre Stimme so viel Gewicht, wie die der Richter. Da bleiben Diskussionen nicht aus, weiß Amtsgerichtsleiter Frank Waab. „Es gibt Diskussionen über die Schuldfrage.“ Und, anders als im Fernsehen, wird auch das Strafmaß mit den Laien-Richtern diskutiert. „Diese Abwägung ist aber oft nicht so schwierig.“

Intensiver diskutiert werden kann dagegen durchaus die Frage schuldig oder nicht. „Aber unsere Schöffen haben ein gutes Rechtsempfinden, sie können die Leute gut einschätzen“, lobt der Gerichtsleiter. Immerhin entscheiden die zwei Schöffen, die ihm in Jugendstrafsachen oder Richter Kimmeskamp im Erwachsenenstrafrecht zur Seite stehen, allein auf Grundlage der Geschehnisse im Gerichtssaal. „Sie sagen, wie sie aus einem Bauchgefühl heraus empfinden. Die Entscheidung muss aber juristisch getroffen werden“, weiß der Richter. Und laut Gesetz darf es an der Schuld keinen vernüftigen Zweifel geben. Entsprechend seien Diskussionen über das Bauchgefühl durchaus hilfreich.

Schöffe werden kann hier übrigens, wer deutscher Staatsbürger ist, in Hattingen wohnt, mindestens 25 und maximal 70 Jahre alt ist. Dass sich die Arbeit mit den Schöffen durch die Diskussion um die Fernsehsendung ändert, glaubt Waab nicht. Allerdings sagt er: „Es ist sinnvoll, den Blick auf die Sache zu schulen.“ Und er freut sich, wenn der ein oder andere mehr sich entschließt, Schöffe zu werden.