Engagement in einem fremden Land

Asylbewerber Teklemichael Ande aus Eritrea arbeitet an seinen Skulpturen.Foto:Walter Fischer
Asylbewerber Teklemichael Ande aus Eritrea arbeitet an seinen Skulpturen.Foto:Walter Fischer
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Was wir bereits wissen
Teklemichael Ande floh aus Eritrea und lebt nun in der alten Feuerwache. Er ist nicht nur künstlerisch aktiv, sondern hilft auch ehrenamtlich.

Hattingen..  Mehr Flüchtlinge bedeuten mehr Asylanträge bedeuten zumeist längere Wartezeit bis zum Bescheid. Für Teklemichael Ande bedeutet das wiederum: längeres Getrenntsein von seiner Familie, längeres Warten darauf, sich eine Zukunft aufzubauen. Aber herumzusitzen und nichts zu tun, das ist nicht seine Sache.

Und so packt der 32-jährige Flüchtling aus Eritrea, der im Juli 2014 nach Deutschland kam, mit an: Er half dem Nabu Hattingen bei Obstbaumpflanzungen, bei der Gewässerpflege, beim Kopfbaumschnitt und lernt vier Mal pro Woche Deutsch. Inzwischen macht er über den Nabu einen Motorsägenführerschein.

„Er ist so fleißig, er zeigt so einen Willen zur Integration“, ist Künstler Michael Görler begeistert. Beide lernten sich über die VHS kennen. Teklemichael Ande fertigte schon in Eritrea Porträts an. Bei Görler arbeitete er mit Bleistift und Zeichenkohle. „Er hat Talent“, bescheinigt Görler. Darum auch stellte er ihm eine Werkbank, selbst gebaut nach mittelalterlichem Modell, zur Verfügung.

An die zieht sich der Christ, der in der alten Feuerwache wohnt, zurück, wenn er nicht Deutsch lernt und nicht dem Nabu hilft. Hier fertigt er afrikanische Skulpturen aus dem Holz, das Drechsler Detlef Zagermann für ihn vorbereitet. „Auch die Sockel hat er dazu selbst gemacht, sammelte inzwischen schon Erfahrungen mit Metallarbeiten“, erklärt Görler, der glaubt, dass sich sein Schützling, wenn er nur das Recht bekäme, zu bleiben, gut einbringen würde in die Gesellschaft. „Er scheut keine körperliche Arbeit.“ Beim Weihnachtsmarktaufbau in Blankenstein war er dabei, half zudem Görler beim Aufbau der sechs Meter hohen Weihnachtspyramide.

Frau und Kinder im Sudan

In Eritrea, sagt Teklemichael Ande, „war ich sechs Jahre Soldat, bekam keinen Sold, meine Familie habe ich nur zehn Tage im Jahr gesehen“. Vorher, da hatte er auch mal als Glaser gearbeitet. 2006 jedenfalls floh er in den Sudan, wo seine Frau und seine beiden Kinder (zwei und vier Jahre) noch ängstlich darauf warten, was die Zukunft bringt. „Sie sind dort auch nicht willkommen.“

Mit Geld von Verwandten und Freunden machte Teklemichael Ande sich dann auf die lebensgefährliche Flucht über Libyen und Italien nach Deutschland. Er ist ein stiller Mann, berichtet nicht ausführlich über die furchtbaren Erlebnisse während der Flucht. Nur so viel: Im Sudan und auf der Reise war Furcht sein ständiger Begleiter. Spricht er über die Arbeit in der Natur, dann strahlt er, öffnet sich: „Ich liebe Natur.“ Ein Buch über Baumschnitt liest er gerade. Und hofft, dass er bald versuchen darf, seine Familie zu holen und zu ernähren.