Eintauchen in die Welt Afrikas

Marcellin Rempe-Yao leitete das Seminar zum Thema Afrika am Wochenende im Haus der Jugend, v.r.: Annamaria, Werner, Heike, Stefan, Heidrun.Foto:Manfred Sander
Marcellin Rempe-Yao leitete das Seminar zum Thema Afrika am Wochenende im Haus der Jugend, v.r.: Annamaria, Werner, Heike, Stefan, Heidrun.Foto:Manfred Sander
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Was wir bereits wissen
Lebenshilfe Hattingen lud zum Wochenende als inklusives Erlebnis. Die Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Einschränkung verschwimmen

Hattingen..  Faultier Werner trommelt mit Gnu Monique und Nilpferd Andreas, Affe Annamarie mit Giraffe Franziska: „Wir sind alle Afrikaner“, sagt gut gelaunt Panther Marcellin Rempe-Yoa von Afrikan Life. Der 55-jährige leitete das Afrika-Wochenende, zu dem die Lebenshilfe Hattingen e.V. Menschen mit und ohne Einschränkung ins Haus der Jugend eingeladen hatte. Über die Awo war versucht worden, Flüchtlinge einzuladen. „Leider ohne Erfolg“, so Susanne Balke-Rupenus, Hausleiterin des Tom-Mutters-Hauses an der Schulstraße.

Der mit bunten Wandflächen gestaltete Raum passt gut zur afrikanischen Fröhlichkeit, die Marcellin versprüht, auf dem Tisch stehen Spielzeugraubtiere. Nachname, Alter, Einschränkung, Beruf spielen beim Afrika-Wochenende keine Rolle. Hat Franziska (22) am Freitagabend noch Hemmungen, laut in der Sprache Betegbô „Äh“, also „Ja“, auf die Frage „Seid Ihr bereit“ zu antworten, so gelingt ihr das am Sonntag ohne Probleme. „Ich habe anfangs gedacht, ich wollte Marcellin nicht so anschreien.“ Bis sie ins afrikanische Lebensgefühl hineinrutschte.

Das erlebte auch Heike (50) intensiv, die sich entschlossen hat, für die drei Tage auf den Zuruf „Adler“ zu hören: „Wenn wir alle gemeinsam trommeln, dann vergisst man Zeit und Raum. Das ist ein wenig wie im Trance“, sagt die Erzieherin. Und ob Einschränkung oder nicht, das spürt auch niemand – denn fürs Erlernen der Liedtexte auf Betegbô brauchen alle einen Moment.

Die Hände schmerzen manchem beim Trommeln. „Handgelenke locker lassen“, empfiehlt Marcellin und zeigt noch mal drei „Trommel-Kunstgriffe“. Von der Elfenbeinküste stammt er, berichtet über seine Heimat . „Dass es so viele Sprachen gibt, hätte ich nicht gedacht. Das ist ja von Region zu Region anders“, staunt Stefan (50), der heute Pavian ist, und findet, dass Marcellins Sprache noch schwieriger ist als seine Muttersprache Ungarisch.

Das Lebensgefühl allerdings, die Lebendigkeit, die Lautstärke, die Freude erinnern ihn an Ungarn: „Da dauern die Hochzeiten auch schon mal zwei Tage“, so der gelernte Werkzeugmacher.

Das Gemeinschaftsgefühl beim Trommeln, Singen und Tanzen genießen Heike und Stefan. Sie sind darum gern dabei, wenn Marcellin auffordert: „Onduama gblikê ohia! (Kommen wir alle zusammen!).“ Und zusammen kommen alle Teilnehmer auch, um gemeinsam zu kochen. Brêbrê sôpo gnê couscous ba gibt es - Erdnusssauce mit Couscous. Das schmeckt nicht nur Adler und Pavian, sondern gleichermaßen Panther, Giraffe, Affe, Nilfperd, Gnu und Faultier.