Einmarsch verzögert Sarkophag-Bau in Hattingen

Die Ehrenmalsweihe am 25. September 1927. Noch verhüllt ist der Schriftzug „Deutschland für dich“, der für viel Diskussion sorgen sollte, als das Ehrenmal 1985 unter Denkmalschutz gerstellt werden sollte.
Die Ehrenmalsweihe am 25. September 1927. Noch verhüllt ist der Schriftzug „Deutschland für dich“, der für viel Diskussion sorgen sollte, als das Ehrenmal 1985 unter Denkmalschutz gerstellt werden sollte.
Foto: Stadtarchiv Hattingen
Was wir bereits wissen
Das Ehrenmal im Schulenbergwald steht unter Denkmalschutz. Unter den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs entdeckte Rolf Krause den seines Onkels.

Hattingen..  Ein steinerner Sarkophag steht im Schulenbergwald. An seinen Mauern: 520 Namen. Das Ehrenmal am Bismarckturm wurde gebaut zum Gedenken an die gefallenen Hattinger des Ersten Weltkriegs – unter ihnen auch Albert Naes, dessen Familie nur zufällig herausfand, dass sein Name eingemeißelt wurde. Den Bau des Ehrenmals verzögerten erst Diskussionen um die Gestaltung und den richtigen Standort. Und als man dann endlich bauen wollte, marschierten die Franzosen ein.

Schon im Juli 1920 hatte die Ortsgruppe der Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer dazu aufgerufen, für die Errichtung einer Gedenkstätte zu sammeln. Auf Basaren wurde Geld gesammelt und auch die „Freilichtspiele im Stadtwalde“ im Sommer 1922, die ersten dieser Art in Westfalen, sollten etwas einbringen.

Doch dann – die ersten Arbeiten waren gerade im Begriff zu starten – besetzten die Franzosen 1923 das Ruhrgebiet und machten den Bauherren einen Strich durch die Rechnung. Zu allem Überfluss schmolz der Fonds für das Ehrenmal in der Inflation bis zur Wertlosigkeit zusammen. Also gründete man nach Abzug der Franzosen im Juli 1923 erneut einen „Verein zur Errichtung einer Kriegergedenkstätte“ und begann von vorn.

Entworfen wurde der steinerne Sarkophag von Professor Dr. Wilhelm Kreis, damals Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Als Standort wurde erst nach längeren Diskussionen und Prüfungen der Platz am Bismarckturm ausgewählt. Zunächst hatte man den Untermarkt favorisiert, aber auch der Platz vor dem neuen Rathaus, unterhalb der Schulenburg und der Kirchplatz waren im Gespräch.

Für 31 000 Mark wurden die Ruhrsandstein-Blöcke schließlich im Schulenbergwald aufgetürmt. Laut Abrechnung erhielt Professor Kreis übrigens 2000 Mark Lohn. Gezahlt wurde der Bau je zur Hälfte vom Verein und von der Stadt. Ein Vorschlag, die Namen der Gefallenen wegzulassen, weil „die Fülle der Namen katalogmäßig unschön“ wirke und die Kosten erheblich steigere, wurde verworfen.

So findet sich heute auch der Name Albert Naes unter den 520 aufgeführten. „Das war mein Onkel“, berichtet der 75-Jährige Rolf Krause. Aus der Sterbeurkunde geht hervor, dass Naes mit nur 19 Jahren bei Allemant „an den in den dortigen Kämpfen erhaltenen Verwundungen, am 2. Juni 1917, verstorben sei“. „Wir haben nie herausbekommen, wo er beerdigt wurde“, sagt Krause heute. Dass der Name seines Onkels auf dem Ehrenmal steht, fand er erst später heraus. „Seine Mutter wusste das wohl auch nicht. Sie hatte nur die letzten Habseligkeiten, unter anderem eine Uhr, bekommen.“

Heute sind die Namen kaum noch lesbar. Und schon gut 40 Jahre nach der Einweihung des Ehrenmals am 25. September 1927 waren sie nur noch schwer zu entziffern. Eine Reinigung übrigens, die die Stadt in den 1960er Jahren vornehmen ließ, war so gar nicht im Sinne des Erbauers Professor Kreis. In der Festschrift zur Einweihung hatte er geäußert: „Wenn dieses Ehrenmal durch die Witterung und durch das Alter auch äußerlich ehrwürdig sein wird, und wenn das Waldgesträuch um das Ehrenmal sich schließt und nur den Eingang frei lässt (...), dann, in viel späterer Zeit, ist das Ehrenmal erst so charaktervoll und würdig, wie es gedacht war.“