Ein Zeichen setzen gegen Pegida

Montagsdemo bzw Montagskundgebung gegen Hartz und IV auf dem Untermarkt in Hattingen, Schwerpunkt waren die Anschläge in Paris und die Pediga Demos in Dresden gegen Zuwanderung, nur 5 Organisatoren, kein Interesse der Bevölkerung. Foto: Volker Speckenwirth / Funke Foto Services, 12.01.2015
Montagsdemo bzw Montagskundgebung gegen Hartz und IV auf dem Untermarkt in Hattingen, Schwerpunkt waren die Anschläge in Paris und die Pediga Demos in Dresden gegen Zuwanderung, nur 5 Organisatoren, kein Interesse der Bevölkerung. Foto: Volker Speckenwirth / Funke Foto Services, 12.01.2015
Foto: Funke Foto Services
Montagsdemonstranten auf dem Untermarkt unterstützten Proteste gegendie „rassistische Bewegung“ Pegida. Allein die Resonanz war sehr gering.

Bundesweit mehrere zehntausend Menschen demonstrierten in den letzten Tagen gegen Pegida, die öffentliche Resonanz in Hattingen indes ist — bislang – begrenzt. Nur eine Handvoll Menschen kamen gestern Nachmittag zur Montagsdemo auf dem Untermarkt, dabei hatten die Organisatoren der traditionellen Kundgebung ausdrücklich angekündigt, mit ihrer Veranstaltung dieses Mal vor allem auch die Proteste gegen die Pegida-Bewegung zu unterstützen.

Pegida, sagt Jakobus Fröhlich (69), der Moderator des Hattinger Montagsdemo-Teams, sei „nicht aus der Bevölkerung heraus erwachsen, sondern angeschoben worden von reaktionären Kräften, die an niedere Instinkte appellieren“. Die versuchten, Menschen gegen andere Menschen aufzuhetzen, die „ganz offensichtlich in Not sind“. Wie die vielen Flüchtlinge. Gegen derlei Gedankengut, so Jakobus Fröhlich, gelte es ein Zeichen zu setzen – „des gemeinsamen Protestes gegen diese rassistische Bewegung“, so Fröhlich. „Alle faschistischen Organisationen“, sagt er weiter, „gehören verboten – und auch deren Propaganda.“

Ein paar Passanten auf der Heggerstraße halten kurz inne, lesen das Schild, das Christian Preuß (37), Siegfried Müller (66), Brigitte Fröhlich, Walter Muskatewitz (67) in die Höhe halten: „Weg mit Hartz IV!“ Und eilen dann weiter. Nein, ein eigenes Plakat aus aktuellem Anlass hat das Organisationsteam der Montagsdemo nicht entworfen; manchen, der hört, was Fröhlich da gerade gesagt hat, scheint das zu irritieren. Auch eine junge Frau und ihr Bekannter, die „zufällig am Untermarkt vorbeigekommen sind“, fragen sich, „was hier gerade genau passiert“, während sie die anderen Montagsdemonstranten weiter reden hören.

Fröhlich erinnert am offenen Mikrofon hier und jetzt dabei auch an den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris, an die späteren Geiselnahmen der Attentäter, die insgesamt 17 Toten. Und an die Millionen Menschen, die am Wochenende in Paris, ganz Frankreich, in Berlin und anderswo auf die Straßen gingen, die der Opfer gedachten und ein Zeichen der Solidarität setzten gegen den Terrorismus. „Sie alle“, betont der Hattinger und blickt auf die fast menschenleere Heggerstraße, „haben unsere große Solidarität.“

Auf die Frage, ob sie enttäuscht seien, dass niemand sonst außer ihnen an diesem Montag das Wort ergreift, keiner mit ihnen demonstriert, zucken die fünf Montagsdemonstranten nur die Schultern. Viele dächten so wie sie, sagt etwa Siegfried Müller. Allein sie trauten sich nicht, dies auch laut und offen zu bekennen. Fröhlich denkt derweil schon in die Zukunft: „Es könnten einige mehr werden.“

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