Ein Verein mit vielen Aufgaben

Gabriele Trede (Beisitzerin) und Ingo Arnst (Vorsitzender).
Gabriele Trede (Beisitzerin) und Ingo Arnst (Vorsitzender).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Blinden- und Sehbehinderten-Verein Hattingen-Sprockhövel informiert seine Mitglieder stets über neue Hilfsmittel und ist Treffpunkt für Betroffene. Zugleich will er eine starke Interessenvertretung sein.

Hattingen.. Den meisten Menschen sind Aussehen und Stil wichtig, der Kleiderkauf kann sich nicht nur bei Frauen über viele Stunden strecken. Bei Blinden und Sehbehinderten ist das keineswegs anders. „Als Kind musste ich immer die gelbe Binde mit den drei Punkten tragen“, sagt Ingo Arnst. Heute ist er froh, dass dieser optischer Fehlgriff der Vergangenheit angehört. „Zum Glück wird sowas kaum mehr getragen.“

Arnst ist von Geburt an blind und musste daher von Kindesbeinen an lernen, mit einem Sinn weniger klar zu kommen. In seiner Funktion als Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins in Hattingen und Sprockhövel möchte er nun auch weiteren Betroffenen bei dieser Aufgabe helfen. „Wir sind eine Interessenvertretung, hier kann man Freunde finden, und wir tragen neuste Informationen über Hilfsmittel weiter“, sagt Arnst über den Verein.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Besonders für die Interessenvertretung sei es aber wichtig, viele Mitglieder zu haben, mehr Mitglieder bedeuten ein größeres Stimmgewicht in öffentlichen Diskussionen. Hier gebe es noch Nachholbedarf, so der Vorsitzende. Anhand der Zahlung von Sehbehinderten- und Blindengeld glaubt Arnst, dass über 300 Personen in Hattingen zur Zielgruppe des Vereins gehören. „Man muss nicht gleich Mitglied werden. Wir beraten auch gerne erst einmal nur zu verschiedenen Themen.“

Und so berichtet er aus dem Stegreif über Hotels für Blinde und Sehbehinderte, technische Hilfsmittel wie Sprachsteuerungen an Smartphones und die kleinen, aber entscheidenden Dinge, die vielen Vereinsmitgliedern im Alltag helfen würden: „Wir brauchen viele Kontraste auf den Straßen, zum Beispiel den weißen Streifen an den Treppen.“ Die größte Hilfe sind aber oft andere Menschen. „Wir würden uns immer über ehrenamtliche Helfer für den Alltag freuen“, sagt Arnst.

Die Bezirksgruppe möchte auch eine soziale Funktion übernehmen. „Der Verein kann eine Stütze sein, wenn das Sehvermögen nachlässt. Man fällt schnell in eine Depression, wenn man langsam erblindet“, sagt Vorstandsmitglied Gabriele Trede. Die Vereinsrunden sollen dann helfen. „Wir sind ein sehr lockerer Verein, auch wenn es natürlich um ein ernstes Defizit geht“, so Arnst. Den Spaß lasse man sich aber sicherlich nicht nehmen. Zu Arnsts Lieblingssprüchen gehört auch: „Da habe ich gerade nicht hingeguckt.“