Ein Strukturwandel nach dem anderen

Geglückter Strukturwandel: das Gelände der ehemaligen Henrichshütte, heute Henrichspark.Foto:Hans Blossey
Geglückter Strukturwandel: das Gelände der ehemaligen Henrichshütte, heute Henrichspark.Foto:Hans Blossey
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Wirtschaftlich hat Hattingen das Hütten-Aus im Jahr 1987 besser gemeistert als erwartet. Jetzt gilt es, mit viel Engagement der Bürger die Haushaltskrise der Kommune zu bewältigen.

Hattingen..  Spricht man mit Auswärtigen, also den Menschen, die Hattingen in der Regel aus eigenem Antrieb besuchen, hört man ausschließlich Lob. Das Fachwerk der Altstadt, die Sauberkeit, das Einkaufs-Angebot, das in den jüngsten Jahren durch Reschop Carré und Kaufland enorm gewachsen ist – überall Lob. Hattingen sei schön, Hattingen sei lebenswert. Liebenswert sowieso. Die Stadt kommt also gut weg, gerade weil es sich hier nicht so überfüllt und hektisch leben lässt wie anderswo. Heimeliges Hattingen!

Der Strukturwandel ist geschafft. Heute gibt es weniger Arbeitslose in der Stadt als etwa in den frühen 1980er Jahren, in denen die Henrichshütte noch dampfte. Schaut man auf die Probleme, die die Bürger anno 2015 in ihrer Stadt beklagen – Wildwuchs etwa oder zugemüllte Straßenecken –, so stehen diese in keiner Konkurrenz zu den Zukunftsängsten, die die Menschen nach dem Hütten-Aus im Jahr 1987 beschäftigt haben.

Auch dass abgebrochene Autospiegel von der Polizei in ihren täglichen Presseberichten genannt werden, spricht dafür, dass die Stadt sicher ist, wenngleich so ein Vorfall bei persönlicher Betroffenheit sicher anders bewertet wird. In Hattingen passieren – zum Glück – nur wenige schwere Straftaten, Polizei und ein seit Jahren bewährter Ordnungsdienst sorgen dafür, dass es an den Wochenenden so gut wie keine Angsträume gibt.

Rosarot ist dennoch nicht alles. Der städtische Haushalt steht unter Aufsicht, längst können nicht mehr alle freiwilligen bürgernahen Leistungen angeboten werden wie noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Personal muss abgebaut werden, die Bürgermeisterin weist schon seit Jahren darauf hin, dass es in Zukunft nur mit bürgerschaftlichem Engagement gehe – und das in Zeiten, in denen vor allem Sportvereine immer lauter klagen, dass es ihnen an ehrenamtlichem Nachwuchs mangelt. Es steht also der nächste Strukturwandel schon bevor.

Kritik ist richtig und wichtig

Dass es Kritik an der Stadt und Kritiker in der Stadt gibt, ist gut so. Sie reden konstruktiv dazwischen, heben mahnend den Zeigefinger, bewahren vor zu viel Schlafmützigkeit. Anders die Nörgler, die es wie in jeder Stadt zuhauf gibt, die sich heute aber meist nur noch unter dem Deckmantel der Anonymität im Internet äußern. Sie haben etwa im Reschop Carré keinen Schritt nach vorne gesehen, ihnen war die Kaufland-Ansiedlung stets ein Dorn im Auge, auch die Kunstrasen-Umwandlungen in den Stadtteilen.

Dabei sind genau das die Projekte, die Hattingen in den vergangenen Jahren noch einmal vorangebracht haben, die Leben in die Stadt brachten, u.a. mit kaufwilligen Kunden und jungen Familien.