Ein Rucksack voller Abenteuer

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Hattingen.. Wanderführer Uli Auffermann möchte jungen Wanderern und deren Eltern den Wald und seine Bewohner näher bringen.

„Die Familien wandern wieder – und die Kinder haben keinen Bock.“ Uli Auffermann kann das nachvollziehen. „Als ich klein war, hatte ich auch keine Lust, mit meinen Eltern mitzugehen“, sagt der Autor und Leiter des Anderl-Heckmair-Archivs.

Um Kinder trotzdem für sein Steckenpferd, das Wandern, zu begeistern, greift Auffermann nun auf einen Trick seines Vaters zurück. Der packte dem bockigen Sohnemann nämlich einfach einen kleinen Rucksack. Der Inhalt: Werkzeug. Das Ziel: Den Wald als Abenteuerspielplatz attraktiv zu machen, der sich entlang der Wege ausbreitet.

Das gleiche macht Auffermann nun für Familien mit Kindern. Zehn Rucksäcke hat er gepackt, mit allerhand Utensilien, die den Waldspaziergang spannend machen. Diese Beutel können junge Wanderer kostenlos im Anderl-Heckmair-Stübers am Waldhof an der Elfringhauser Straße 155 ausleihen.

Was man alles braucht für ein Wanderabenteuer? Zollstock, Lupe, Stift und Block, Insektenglas, Handschuhe, Isomatte („Damit sich die Kinder keinen nassen Po holen, gerade jetzt im Herbst“), eine Wanderkarte – und natürlich einen Kompass hat Auffermann eingepackt. Seine Rucksäcke sollen die Phantasie der Kinder anregen.

Dazu gibt es einen kleinen Leitfaden mit Aufgaben, die zu den zehn Stationen des etwa 2,3 Kilometer langen Anderl-Heckmair-Weges passen. „Wo ist Norden“ lautet eine der Fragen – der Kompass gibt die Antwort. Mit dem Zollstock können die Kinder messen. „Wie lang ist dein Zeigefinger“, schlägt der Leitfaden vor. Augenmaß ist gefragt bei Aufgaben wie: „Schätze, wie lang ein Zentimeter ist, und miss mit dem Zollstock nach“. „Beim Wandern ist es wichtig, Längen und Strecken abschätzen zu können“, erklärt Auffermann den Sinn des Spiels.

Vorgaben wolle er den kleinen Wanderern aber nicht machen, darauf besteht er. Die Aufgaben sollten vielmehr ein Leitfaden sein, anhand dessen die Kinder eigene Aktionen erfinden können. Der erste Testlauf, bei dem zwei elfjährige Jungs den Rucksack auf Abenteuertauglichkeit testen durften, sei gut gelaufen. Oder, wie Auffermann es formuliert: „Es war sensationell“.

Gerade die Herbstferien bieten sich an, mit der Familie etwas in der Natur zu unternehmen. „Ich stelle fest, dass viele Leute große Lust haben, in dieser Richtung etwas zu machen, aber ein bisschen orientierungslos sind“, sagt Auffermann.

Bei vorheriger Anmeldung begleitet er die Familien gerne auf ihren Wanderungen. Die Liebe zum Wandern, zur Natur weiterzugeben, ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Ich fühle mich in der Tradition verpflichtet, das zu tun“, sagt er. In der Tradition seines Vorbilds und väterlichen Freundes Anderl Heckmair (er starb 2005), dem Eiger-Nordwand-Besteiger und Namensgeber des Stüberls in der Elfringhauser Schweiz. Der sei viel mit Jugendlichen gewandert – „auch mit Schwererziehbaren“.

Die Route, die er den Wanderern vorschlägt, hat er bewusst übersichtlich, sprich kurz, angelegt. „Die Leute wollen ja was für zwischen 15 und 17 Uhr haben, wenn sie im Ruhrpark waren“, sagt er lächelnd. Was dem „echten“ Wanderer zu kurz erscheinen mag, findet er für Kinder und Einsteiger gerade richtig. „Das ist ja das Tolle am Ruhrgebiet, man kann erst Currywurst essen gehen und dann wandern.“

Zehn Rucksäcke hat Uli Auffermann für junge Wanderer gepackt. Diese verleiht er kostenlos – ein Pfand sollte allerdings hinterlegt werden. Wer einen Rucksack leihen möchte, kann dies entweder im Anderl-Heckmair-Stüberl oder im benachbarten Waldhof, Elfringhauser Straße 155, tun. Bei vorheriger Anmeldung begleitet Uli Auffermann auch gerne Familien auf ihrer Wanderung. „Wenn ich mitgehe, werde ich die Eltern auch animieren, die Kinder machen zu lassen“, sagt er. Auffermann setzt auf Nachhaltigkeit: „Alle, die mir nach der Wanderung einen kleinen Bericht schreiben, bekommen einen Wanderführer geschenkt“. Anmeldung und Information: www.uliauffermann.de.