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Loveparade

Ein offenes Ohr für traumatisierte Opfer

26.07.2010 | 17:21 Uhr
Ein offenes Ohr für traumatisierte Opfer

Hattingen. Der Hattinger Pfarrer Ralf Radix ist Notfallseelsorger. Er beschreibt, was seine Kollegen bei der Loveparade leisteten.

Die Bilder vom Wochenende wird so schnell niemand vergessen. Was im Tunnel vor der Loveparade in Duisburg geschehen ist, ist kaum zu fassen. Massenpanik in der dunklen Enge, Tote, Verletzte, traumatisierte Menschen, weinende Hinterbliebene. Ihnen Beistand anzubieten, das ist die Aufgabe der Notfallseelsorge.

Der Hattinger Pfarrer Ralf Radix ist Beauftragter der evangelischen Landeskirche Westfalen für Notfallseelsorge sowie Vorsitzender der Notfallseelsorge in der Evangelischen Kirche Deutschlands. Er kennt sich mit traumatischen Situationen aus, hat Menschen nach Verkehrsunfällen, Amokläufen, Flugzeugabstürzen betreut.

„Wir bereiten uns immer darauf vor, dass etwas passieren könnte“

Er weiß, was seine Kollegen, die in Duisburg im Einsatz waren, zu bewältigen hatten, auch, wenn er selbst nicht vor Ort war. Duisburg gehört zur Landeskirche Rheinland, die Kollegen aus Westfalen kommen nur unterstützend zum Einsatz.

Schon seit vergangenem Donnerstag waren Radix und seine Leute in Rufbereitschaft. Vertreter der Notfallseelsorge waren im Krisenstab der Stadt Duisburg vertreten, der vor dem Großereignis gebildet wurde – eine normale Vorgehensweise, sagt Radix. „Wir bereiten uns immer darauf vor, dass etwas passieren könnte“. Gerechnet habe allerdings niemand mit dieser Katastrophe.

Und doch ist sie eingetreten. Während sich Polizei und Rettungsdienste um die äußerlichen Verletzungen kümmern, sorgen sich die Geistlichen aus den Städten rund um Duisburg um die Seelen der Betroffenen. Zuhören, Verwandte benachrichtigen, trösten – mit Beten hat die Arbeit der Notfallseelsorger nur am Rande zu tun, nur, wenn die Betroffenen es möchten.

„Sie bieten sich an, versuchen, die Menschen ein Stück wieder zu sich zu bringen“, erklärt Pfarrer Radix. Viele Menschen könnten die Situation, aus der sie entkommen sind, nicht fassen. „Die stammeln erstmal rum“, beschreibt er. Da gelte es, Ordnung ins Gedanken-Chaos zu bringen, Ruhe zu bewahren, bis die Gedanken sich klären.

Trauma kann einen Menschen aus der Bahn werfen

„Manche sitzen auch nur lethargisch da“, sagt Radix, „auf die haben wir ein besonderes Auge“. Denn während die Sprechenden, auch die Stammelnden, bereits das Erlebte aufarbeiten und einfach einen Ansprechpartner brauchen, seien die Schweigenden oft nicht stabil und könnten unvorhersehbar handeln, zum Beispiel einfach ohne Orientierung weglaufen.

Ein Trauma kann einen Menschen aus der Bahn werfen. Bei Veranstaltungen wie der Loveparade kann noch hinzukommen, dass Menschen von vornherein nicht richtig bei sich sind. Alkohol und Drogen gehören für manche einfach dazu. „Diese Leute werden oft auch medizinisch betreut“, sagt Radix.

Aber nicht nur die Opfer leiden nach der Katastrophe von Duisburg. Auch die Rettungskräfte brauchen seelischen Beistand. Sie haben schlimmes gesehen, sich hilflos gefühlt. „Diese Hilflosigkeit wirkt lange nach“, sagt der Pfarrer. Mindestens genauso lange wie die Angst der Opfer.

Viele Menschen haben nach dem Unglück Kerzen aufgestellt, sich in Duisburg versammelt, um zu trauern. Sogar einen spontanen Gottesdienst hat es am Sonntag gegeben. „Ritus und Religiosität geben Halt“, erklärt Radix.

Nina Estermann

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Kommentare
27.07.2010
16:47
Ein offenes Ohr für traumatisierte Opfer
von Sternenfreund | #4

@#2: Und aus der Tatsache das Dein Verwandter nichts kann, schließt Du, dass Seelsorger überflüssig sind?

Dann möchte ich nur hoffen, dass Du nie einen Notfallseelsorger brauchst.

27.07.2010
10:06
Ein offenes Ohr für traumatisierte Opfer
von PE | #3

Also ich habe höchsten Respekt für die Arbeit der Notfallseelsorger und wünsche Ihnen dabei viel, viel Kraft um Ihre Bestimmung auszuüben. .

#1 Du darfst nicht von Dir auf Andere schließen und Du musst mal das Ganze sehen! Die Sonne dreht sich nicht um Dich und wenn DU etwas nicht brauchst, heißt dass nicht automatisch, dass ANDRERE es auch nicht brauchen. Denke einfach mal drüber nach!

27.07.2010
08:43
Blockierter Kommentar.
von antilinker | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.07.2010
18:22
Ein offenes Ohr für traumatisierte Opfer
von Tom Pouce | #1

Ich wüßte wirklich nicht, was ein Seelsorger-zumal in kirchlichem Gewand- in so einen Fall für mich tun könnte. Wenn ich mir nur vorstelle, dass so einer einen Raver volllabert...
Mein Kommentar ist durchaus ernst gemeint: In meiner Verwandtschaft gibt es einen Psychologen, der weder einen Spaten halten kann, noch sonst zu was zu gebrauchen ist.

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Verletzten !!!!!

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