Ein Leben ohne viel Zeug

Emilie Block
Emilie Block
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Was wir bereits wissen
Sonntag ist der Tag der Einfachheit: Emilie Block ist Minimalistin - sie sagt, dass nur einen Teller und einen Becher braucht. Für Yoga-Matte und Poledance-Stange ist Platz im Wohnheim-Zimmer.

Hattingen..  Wissen Sie eigentlich, wie viele Sachen Sie besitzen? 1000? 2000? 5000? Der Durchschnitts-Deutsche besitzt laut Statistik etwa 10 000 Gegenstände, Amerikaner sogar dreimal so viele Sachen. Die Frage, die dabei oft im Raum schwebt: Brauchen wir eigentlich so viele Dinge? Am Sonntag ist Tag der Einfachheit. Emilie Block ist eine Verfechterin der Einfachheit. Sie liebt es schlicht. Sie ist Minimalistin.

„Ich glaube, ich besitze um die 500 Sachen, wenn man Kleidung nicht mitzählt,“, sagt die junge Frau Anfang 20. Inzwischen hat sie nachgezählt: Es sind 300 mit Kleidung. Emilie Block hat ihre Ausbildung zur Krankenschwester beendet. Mit vollem Gehalt und geringer Miete hat sie mehr als ausreichend Geld, um viele Dinge kaufen zu können.

Dass sie so wenig Sachen hat, war eigentlich eher dem Zufall geschuldet. „Ich bin in den vergangenen drei Jahren sieben Mal umgezogen“, erzählt sie. Bei jedem Umzug hat Emilie Block mehr von ihren Sachen weggeworfen. Zu lästig war es ihr, Dinge, die sie ohnehin nicht benutzt, von einem Wohnort zum nächsten zu schleppen. „Das war aber eigentlich kein bewusster Prozess. Viele entscheiden eines Tages: Ich will möglichst einfach leben. Ich bin aber von Natur aus so.“

Alternative Lebensform

Dass Minimalismus ein richtiger Lebensstil ist, wurde ihr erst bewusst, als eine Facebook-Bekanntschaft sie darauf aufmerksam machte. „Ich bin viel in Gruppen unterwegs, die sich mit alternativen Lebensformen beschäftigen, weil ich das spannend finde“, erklärt Emilie Block.

Der Begriff Minimalismus hat seinen Ursprung in der Architektur. Dort beschreibt er die klare Formsprache. Als Lebensstil umfasst Minimalismus, auch Voluntary Simplicity – also Freiwillige Einfachheit – genannt, viele Abstufungen, von totalen Konsumverweigerern bis hin zu Menschen, die ihren Konsum hinterfragen.

Zurzeit wohnt sie im Schwesternwohnheim an der Bredenscheider Straße. Ihr Zimmer ist zwar nur neun Quadratmeter groß, doch hat sie genug Platz, um ihre Yoga-Matte und ihre Poledance-Stange zu benutzen. Einen Becher und einen Teller besitzt sie, mehr braucht sie nicht. Auch ernährungstechnisch beschränkt sie sich aufs Wesentliche, ernährt sich größtenteils vegan und kauft immer nur so viel ein, wie sie zeitnah verbraucht. Auch das ist eine Form von Minimalismus. „Für mich kommen nur wenige Lebensmittel im Supermarkt infrage, daher ist das Einkaufen schnell erledigt.“

Sparen und viel von der Welt sehen

Trotz der Tatsache, dass Emilie im Gegensatz zur Norm wenig besitzt, findet sie, dass sie schon im Luxus lebt. „Ich habe beispielsweise noch relativ viele Klamotten, viel mehr als ich eigentlich brauche. Vor allem Sportsachen.“

Das Leben ohne Zeug hat für sie viele Vorteile: „Man hält sich nicht mir so vielen, unnötigen Dingen auf, hat viel mehr Zeit für sich und sein soziales Umfeld.“ Auch weiß man das, was man hat, viel mehr zu schätzen. Ein weiterer Vorteil: Man gibt kaum noch Geld aus; minimalistisch leben heißt im Endeffekt Geld sparen. Alles, was Emilie nicht braucht, spart sie. Sie möchte in den nächsten Jahren gerne viel von der Welt sehen und Reisen ist teuer.

„Aber auch das Sparen ist wieder eher ungewollt“, sagt Emilie Block. „Ich gehe total häufig weg, treffe mich mit Freunden im Café oder­ ­gehe auch in die Disco. Aber man gibt sein Geld einfach viel schwie­riger aus, wenn man sich jedes Mal kurz fragt: Brauche ich das eigentlich?“