Ein Haus für lebenslanges Lernen

Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Willi-Michels-Bildungsstätte bietet schon seit 25 Jahren Projekte für Erwachsene an. „Motor“ einer Bewegung, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Alter fördern wollte, war Willi Michels.

Hattingen..  Der Namensgeber ist stets präsent. Ein lebensgroßes Farbporträt von Willi Michels hängt im Flur der gleichnamigen Bildungsstätte in Welper, direkt neben der Urkunde zur Grundsteinlegung des Hauses. Seit einem Vierteljahrhundert wird in der Erwachsenenbildungsstätte am Rande des Gemeindewaldes nun schon Bildungsarbeit betrieben – nicht zuletzt dank Willi Michels.

Dass der im Jahr 2003 im Alter von 83 Jahren verstorbene Sozialdemokrat „der Motor“ einer Bewegung war, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Alter fördern wollte, betont dessen Schwiegersohn Hermann Becker (76).

Idee der Gründungsväter lebt

Lebenslanges Lernen als lebendigen Prozess wollten der langjährige Bundestagsabgeordnete aus Welper und die übrigen Mitglieder des damals als Trägerverein für Erwachsenenbildung gegründeten Vereins „Neues Alter“ den mit der Schließung der Hochöfen entlassenen Hüttenarbeitern ermöglichen, die infolge der in den 1980er Jahren einsetzenden Stahlkrise oft schon mit Anfang 50 zu Frührentnern wurden. Für sie und ihre Familien sollte eine Einrichtung geschaffen werden, in der sie Zeit sinnvoll (neu) gestalten konnten. Aber auch dazu, Ausgrenzungstendenzen entgegenzuwirken sowie generationsübergreifende Bildungsarbeit zu fördern, fühlte sich der Verein „Neues Alter“ verpflichtet.

Viele der in der Gründungsurkunde formulierten Ziele sind dabei heute noch hochaktuell, betont Hermann Becker. Und auch einige Projekte, die in den Anfängen entstanden sind, gibt es im Hause noch immer. Die Fotogruppe etwa, die Karl-Heinz Kämmner (72) einst gegründet hat, früher war er einmal Werksfotograf auf der Hütte, heute kümmert er sich vor allem um die Betreuung des Hauses und sorgt dafür, dass dieses gut in Schuss bleibt. Auch die Mitglieder des Holzarbeitskreises, eine Frauengruppe und die Redaktion der „Stimme“ um Dieter Wieandt (79), einst Modelltischler in der Eisengießerei, treffen sich regelmäßig in der Willi-Michels-Bildungsstätte.

Für Hermann Becker, der die Geschicke der Einrichtung als Vorsitzender des heutigen Trägervereins, dem Freizeitwerk Welper, maßgeblich mitlenkt, ist das anhaltende Engagement von Klubmitgliedern wie Wieandt und Kämmner ein Zeichen dafür, dass die Idee der Gründungsväter des Hauses auch anno 2015 lebt. Aber der frühere Bankkaufmann, der seit Jahren um immer weniger werdende Zuschüsse kämpft, weiß auch: Um dieses Haus der Erwachsenenbildung dauerhaft am Leben zu erhalten, muss man stets offen sein für Veränderungen. „Nur, wenn die Einrichtung wirtschaftlich betrieben wird, können wir weiter Bildung vermitteln.“

Alt und Jung zusammenführen

Für die Willi-Michels-Bildungsstätte mit ihren 33 Betten bedarf es zur Kostendeckung dabei jährlich 2000 Teilnehmertagen. Doch was leicht machbar klingt, ist es keineswegs – trotz zahlreicher Stammgäste. Denn der Bildungsmarkt, sagt Hermann Becker, sei zunehmend hart umkämpft. Gewerkschaften etwa nutzen fast nur noch ihre eigenen Einrichtungen für Fortbildungen, zudem brächten manche Gruppen eigenen Referenten mit.

Politisch hochaktuelle Fortbildungen wie jüngst ein Projekt mit Jugendlichen und Erwachsenen zum Thema Inklusion im Schulalltag allerdings kommen bestens an. Andere Angebote dagegen bleiben mitunter hinter den Erwartungen zurück – darunter in der Vergangenheit insbesondere Projekte zum generationsübergreifenden Lernen wie ein gemeinsamer PC-Kursus für Senioren und deren Enkel. Fallenlassen wollen Hermann Becker und die insgesamt 75 Mitglieder des Freizeitwerks Welper dieses Ziel der Haus-Gründungsväter indes nicht: „Wir arbeiten weiter daran, Alt und Jung zusammenzuführen.“

Auch 25 Jahre nach Eröffnung der Willi-Michels-Bildungsstätte begreifen die Mitglieder des Trägervereins Bildung als einen lebendigen Prozess.