Ein Grenzgänger will Landrat werden

Olaf Schade beim Besuch in der WAZ-Redaktion Hattingen.
Olaf Schade beim Besuch in der WAZ-Redaktion Hattingen.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
SPD und Grüne im EN-Kreis haben Olaf Schade als Kandidaten nominiert. Der 46-Jährige mag rot-grüne Ideen wie die vorsorgende Sozialpolitik.

Hattingen..  Der Mann ist Sammler und Jäger und sucht dabei den Bezug zur Region. Karten und Briefmarken, Bücher und Filme hortet er besonders gern, wenn sie mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis zu tun haben. Alina Süggeler von Frida Gold hat er gehört, als sie als Kind bei einer Krippenfeier in St. Peter und Paul sang. Von Nena weiß er, dass sie in jungen Jahren in Breckerfeld wohnte. Von Mike Krüger, dass die Aufnahme des Nippel-Songs im Wittener Saalbau entstand. Von Klaus Voormann, dem fünften Beatle und Gestalter des Revolver-Covers, dass sein Vater aus Ennepetal stammt. Olaf Schade ist mit Leidenschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis zu Hause. Jetzt will er Landrat werden.

Vor einer Woche haben SPD und Grüne im EN-Kreis den 46-jährigen Hattinger als Landratskandidaten für die Wahl am 13. September nominiert. Dann soll der Sozialdemokrat Arnim Brux, ebenfalls SPD, ablösen. Kreispolitik macht Schade bereits seit 1994 – zunächst als Abgeordneter, seit 2010 als Chef der SPD-Kreistagsfraktion. Und auch beruflich hat der Südstädter mit Politik zu tun. Seit 1996 ist der gelernte Jurist im politischen Düsseldorf unterwegs. Arbeitet abwechselnd für SPD-Landtagsfraktion und Landtagsverwaltung. Seit zwei Jahren ist er Büroleiter der NRW-Landtagspräsidentin.

2012 schrieb Olaf Schade ein Stück Landesgeschichte. Als Leiter des Referats für Europa- und Parlamentsrecht formulierte er jenen Rechtshilfevermerk, der im politischen Prozedere um den NRW-Haushalt zur Auflösung des Landtags führte.

Jetzt will Schade ein Kapitel Kreisgeschichte schreiben. Kein Ober-Bürgermeister der neun Kreis-Kommunen will er sein, sondern ein pragmatischer Verwaltungschef. „Ich bin immer ein Grenzgänger zwischen Politik und Verwaltung gewesen. Diese Erfahrungen und das in Düsseldorf aufgebaute Netzwerk werden mir helfen, wenn es denn klappt mit der Wahl zum Landrat“, sagt der Kandidat.

Zusammenhalt, Zukunftsorientierung, Zusammenarbeit – was der EN-Kreis Schades Ansicht nach am dringendsten braucht, sind auch seine politischen Schwerpunkte. Zusammenhalt – das meint den sozialen Kitt für ein lebenswertes Miteinander. Hier ist Schade ganz nahe bei Rot-Grün in Düsseldorf und der Idee der vorsorgenden Sozialpolitik. Zukunftsorientierung – das ist zum Beispiel das gemeinsame Aufstellen des Kreises bei Breitbandausbau und Wirtschaftsförderung. Zusammenarbeit – das sind Kooperationen, die Qualität steigern oder Kosten sparen. Den Rettungsdienst nennt Olaf Schade hier als Beispiel.

Wurzeln liegen in den Städten

Was auch immer ausgerichtet und zusammengefügt werden muss, eines will Olaf Schade nicht: Kreis-Bewusstsein verordnen. „Das geht auch gar nicht“, sagt der SPD-Mann. „Man fühlt sich als Hattinger, vielleicht sogar als Blankensteiner. Das sind die Wurzeln. Ein Wir-Gefühl für den EN-Kreis künstlich schaffen zu wollen, ist eine Illusion.“ Womit wir wieder beim Pragmatismus wären. Wenn Olaf Schade sich entscheiden müsste, drei steile Ideen zu befeuern und durchzuziehen oder mit Leidenschaft und Außenmaß dicke Bretter zu bohren, denkt er nicht lange nach – und nimmt die dicken Bretter.