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Durchhalten, nicht hinschmeißen

26.06.2012 | 18:45 Uhr
Durchhalten, nicht hinschmeißen
Anträge ausfüllen: Diplom-Sozialpädagoge Andreas Buchmüller vom Ambulant betreuten Wohnen der Diakonie hilft Bastian Fröhling (21).

Hattingen.   Bastian lässt sich von Wohnberatung der Diakonie beim Papierkram helfen

Wenn er das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, würde Bastian Fröhling aus heutiger Sicht einiges anders machen. Er weiß, dass er sich an manchen Stellen seiner Laufbahn falsch verhalten, auch selbst zu seiner Situation mit beigetragen hat. „Ich war faul“, gibt er unumwunden zu. Ihm ist bewusst: Er hätte durchhalten müssen bei Schule und Ausbildung, statt hinzuschmeißen. Und arbeitet daran, in Zukunft vieles besser zu machen mit der Erkenntnis und Erfahrung, die er heute hat. Der junge Mann ist gerade mal 21 Jahre alt und lässt sich seit zwei Jahren in der Beratungsstelle der Diakonie beim Wohnen helfen und ambulant betreuen.

Beratungsstelle für Wohnungslose heißt die Einrichtung an der Augustastraße 7 ganz offiziell. Doch wirklich wohnungslos sind die wenigsten. Bastian gehört zur Zielgruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren, deren Zahl stetig zugenommen hat und inzwischen bei 30 Prozent liegt, wie Andreas Buchmüller erklärt. Der Sozialpädagoge ist neben anderen Ansprechpartner in vielen Lebenslagen und bei zahlreichen Problemlagen. Dass die Zahl so hoch ist, sei nicht nur dem gesellschaftlichen Problem geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass viele junge Erwachsene um die Einrichtung wissen. Etwa übers HAZ – Hattingen Arbeit und Zukunft.

Bastian arbeitet bei einem Sicherheitsdienst. Er hofft, dort auch eine Ausbildung machen zu können. Seine Wohnung bekommt er allein bestens auf die Reihe. Was ihm immer wieder ein Bein gestellt hat, war der Papierkram. „Der ist nichts für mich.“ Habe er doch oft nicht ein Blatt ausfüllen müssen, sondern „20, 30 Stück“. Kein Wunder, dass er sich überfordert fühlte. Auch ältere Erwachsene verzweifeln oft angesichts von Behördendeutsch. Verstehen nur Bahnhof. Dort holt ihn jetzt Andreas Buchmüller ab und hilft ihm, etwa beim Ausfüllen von Anträgen.

Er begleitet zu Behörden. Ist zur Stelle nicht nur mit fachlichem Wissen, sondern auch seelisch-moralischer Unterstützung. Wirkt ausgleichend, als Puffer, in Situationen, in denen sich jugendlicher Überschwang vielleicht zu unbedachten Handlungen hinreißen ließe. Bastian hat seine Situation überdacht.

Er würde nicht mehr ausziehen mit siebzehneinhalb, die Lehre als Holzmechaniker drangeben, sondern sich durchbeißen. Trotz mehrmaliger Wohnungswechsel in der Kindheit und der Notwendigkeit, sich an einer neuen Schule einzugewöhnen. Damals hat ihm gestunken, dass ihm von seinem Lehrgeld kaum etwas bleiben, er seiner Meinung nach zu viel zu Hause abgeben sollte. Der Exfreund seiner Mutter hatte die Familie verlassen, er sollte die Miete zahlen. Schnee von gestern. Auf seine Mutter lässt er nichts kommen. „Meine Mama hat mir immer geholfen.“

Auf die Diakonie auch nicht. Jede Menge Lob hat er für die Mitarbeiter, bei denen er sich aufgehoben fühlt. „Ich hatte Glück“, freut er sich. Jetzt will er den Realschulabschluss nachmachen, „ein, zwei Ausbildungen“ dranhängen, wenn er die Chance bekommt. Auf jeden Fall unabhängig vom Amt werden und für sich selbst sorgen.

Viele junge Leute, weiß Buchmüller, sind völlig überfordert mit den Transferleistungen, wenn sie keine geregelte Arbeit haben oder nur auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Blicken nicht durch bei Ansprüchen und Töpfen, unterschiedlichen Unterstützungsquellen. Und haben oft einen schwierigeren Start ins Erwachsenenleben als andere, die zu Hause wohnen und mit solchen Realitäten noch nicht konfrontiert wurden.

Brigitte Ulitschka


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