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Durch die grüne Lunge

16.08.2012 | 22:55 Uhr
Durch die grüne Lunge
Die Schutzhütte im Schulenbergwald im Jahr 1911.Foto: Sammlung Wojahn

Hattingen.  Gerhard Wojahn erinnert sich an Schulenburg, Schutzhütten sowie Engels- und Teufelsbrücke.

Als ich mit sechs Jahren längere Strecken laufen konnte, ging mein Vater mit uns drei Kindern fast jeden Sonntag spazieren. Bevorzugt durch den Schulenbergwald. Es war im Jahre 1936, als wir vor der Schulenburg stehen blieben und von ihm hörten, dass das Wald-Restaurant 1902 durch die Stadt Hattingen erbaut wurde. Betuchte Bürger, die sich eine gute Stube für die Stadt wünschten, hatten mit namhaften Beträgen den Bau ermöglicht. Seinerzeit führte eine breite Freitreppe vom Schützenplatz hinauf zum Park vor dem Ausflugslokal. Dort sahen wir das Denkmal, das an die Stadtgründung im Jahre 1396 erinnerte. Es wurde am 8. Oktober 1896 durch Bürgermeister Falke anlässlich der 500-Jahr-Feier eingeweiht.

Das Besteigen des Bismarckturms gehörte routinemäßig zu jedem Ausflug. Von der oberen Plattform gab es immer etwas zu entdecken: Die qualmenden Schlote der Henrichshütte und des Gemeinschaftswerkes, die drei Kirchtürme unserer Stadt, der Blick weit hinüber zum Isenberg, nach Altendorf und Essen. Lustig zu sein schien uns Kindern das laute Aufstapfen beim Überschreiten der Engels- und Teufelsbrücke und schnell waren wir an der großen Waldhütte. Vater hatte inzwischen eine Handvoll Blätter aufgehoben und erklärte uns, welches Blatt zu welchem Baum gehörte. Ebenso lauschten wir dem Vogelgezwitscher, wir erfuhren die Unterschiede. Die große Waldhütte wurde nach dem Krieg zerstört und durch ein kleineres Waldhäuschen ersetzt.

Später sind mein Freund Franz und ich oft in den Wald gezogen, besonders die Schlittenfahrt über die Rodelbahn hinunter zu Keusers Steinbruch bereitete Vergnügen.

Als im Jahre 1942 die Versorgungslage allmählich schwieriger wurde, waren alle Schüler gehalten, Bucheckern zu sammeln. Franz und ich hatten besonderes Glück. Nahe den Hochspannungsmasten auf dem Hansberg entdeckten wir in einer Baumhöhle eine ansehnliche Menge dieser dreikantigen Früchte, welche sich vermutlich Eichhörnchen als Wintervorrat angelegt hatten. So leid es uns tat, wir füllten die Buchen in den Tornister, gaben sie im Geschäft des August Schepmann, Kleine Weilstraße, ab und bekamen nach 14 Tagen einen Bezugschein über ein Viertelliter Speiseöl, das im dritten Kriegsjahr Gold wert war.

Gerhard Wojahn



Kommentare
17.08.2012
08:06
Durch die grüne Lunge
von zauberlehrer | #1

Unsere Enkel bei einem Spaziergang im Schulenbergwald über Teufels.- bezw. Engelsbrücke . Opa , welches ist denn welche , wenn du einkrachts war es die Teufelsbrücke .Wieder mal ein sehr schöner Bericht von Gehard Wojahn !

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