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Duft der großen weiten Welt

23.11.2008 | 18:55 Uhr

Kunst als "öffentliche Angelegenheit": Katharina Sieverding will mit ihren preisgekrönten Fotografien zum Nachdenken und Diskutieren anstoßen. Eröffnung im Stadtmuseum gut besucht

Gut besucht war die Eröffnung der Ausstellung "Public Matter" im Stadtmuseum Hattingen. Fotos: Udo Kreikenbohm

New York, Tokio, London, Köln - und jetzt Hattingen. Katharina Sieverding kennt Museen auf der ganzen Welt. Die international renommierte Fotografin stellt jetzt im Stadtmuseum in Blankenstein einige Werke aus. Und zeigt sich bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag ganz begeistert von der überschaubaren Atmosphäre.

Akribisch half sie beim Hängen der Bilder mit, schreibt geduldig viele Autogramme, beantwortet die Fragen der zahlreichen Besucher. Eine Perfektionistin. "Public Matter" nennt sie ihre Ausstellung: öffentliche Angelegenheit. "Kunst ist niemals nur privat, sondern setzt sich immer mit Gesellschaft auseinander. Auch wenn sich viele private Momente in den Werken finden." Das Außergewöhnliche an ihren Fotos ist sicherlich die Größe und Vielschichtigkeit der Darstellung. Die raumgreifenden Foto-Formate - teils mehrere Meter groß - bewirken beim Betrachter größtmögliche körperliche Nähe und gleichzeitig eine rationale Distanz vom Objekt.

Mit diesem "krönenden Abschluss" - so Museumsleiterin Petra Kamburg - werde die diesjährige Ausstellungsreihe "Ganz im Zeichen der Frau" beendet. Noch bis zum 25. Januar sind die markanten Werke von Katharina Sieverding zu sehen. Sie zählt zu den herausragenden Foto-Künstlerinnen unserer Zeit, greift auf analoge wie digitale Technik zurück und beherrscht perfekt experimentelle Kombinationen von technischen, chemischen und virtuellen Produktionsweisen.

Die 63-Jährige gilt dabei als Pionierin der Fotokunst und erhielt bereits viele renommierte Preise. Erst letzte Woche hat sie den mit 10 000 Euro dotierten Künstlerpreis der Kölner Kunstmesse Cologne Fine Art & Antiques erhalten. Mit der Auszeichnung werden innovative Entwicklungen im Bereich der Fotografie und Druckgrafik gewürdigt. Sieverdings künstlerisches Werk aus zumeist monumental wirkenden Großfotografien "ist insgesamt in seiner Verschränkung von individuellen und politischen Themen ebenso zeitlos wie aktuell", hieß es in der Begründung zur Preisvergabe.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Fokussierung auf den Menschen, seine Selbst- und Weltwahrnehmung im physischen und psychischen Umfeld. "Encode" nennt sie einen Bilderzyklus - und meint damit das Decodieren und Entschlüsseln von Realität. Ein Bild zeigt die Stelen in Berlin, das Holocaust-Mahnmal wird fotografisch überlagert von der Ansicht eines Konzentrationslagers - Sieverding will mit der Überblendung von Ebenen neue Perspektiven schaffen. "Und den Betrachter zum Nachdenken auffordern."

Von Ralf Drews

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