Drachen aus der Dose
07.07.2009 | 18:15 Uhr 2009-07-07T18:15:00+0200Jugendliche sprühen bunte Buchstaben und Figuren auf Holztafeln – Graffiti-Action im Treff Welper.
Das Auge fehlt noch und ein Mund, der lächelt. Der Drachenschwanz ist fertig. Er schlängelt sich wie J über das Bild. Josh hat es gesprüht. Feuerrot durchkreuzt ein H das Fabeltier. Es sind die Initialen des Zwölfjährigen, der beim Ferienspaß dabei ist. Graffiti-Action heißt es im Kinder- und Jugendtreff Welper. 16 Mädchen und Jungen gestalten bunte Bilder mit Spraydosen.
„Zuerst haben wir etwas über das Wort und die Gesetze gelernt”, sagt Tobias (13). Graffiti komme aus dem Griechischen und hat etwas mit Hieroglyphen und Wachstafeln zu tun, hat er sich gemerkt. Und wer einfach Hauswände mit Farbe vollschmiert, kann dafür „eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren bekommen”, weiß Tristan (12) jetzt. Marlon Mawick (23) hat ihnen von der Theorie und Technik erzählt. Der 23-Jährige sprüht seit zehn Jahren: „Ganz offiziell zum Beispiel Garagen”. Von ihm haben die Mädchen und Jungen gelernt, dass sie in kurzen Bewegungen sprühen müssen, weil sonst Nasen über das Bild laufen. Die bessert Melissa aus. Gar nicht so einfach: „Entweder man drückt zu fest oder zu wenig oder hält die Dose zu weit weg”, beschreibt sie erste Sprüher. Ihr M leuchtet fliederfarben, das K gelb. Drumherum kommt Pink und Hellrosa. Bei den Zacken bittet Melissa kurzerhand Jalila (14) um Hilfe: „Die kann das richtig gut”. Vorher muss Jalila noch ihr Pink korrigieren, sie hat sich vergriffen: „Es ist zu dunkel.” Die 14-Jährige sprüht nochmal, hält dabei die Staubmaske fest vor Mund und Nase – wie alle anderen auch.
Für ihre Rückseiten haben die Graffiti-Künstler bereits Skizzen angefertigt. „Es soll etwas mit uns oder unseren Hobbys zu tun haben”, erklärt Melissa. Sie hat einen Volleyball mit Flammen gezeichnet. Felia (12) hat eine Note skizziert: „Weil ich Flöte und Klavier spiele ”. Ein Tipp von Marlon Mawick: „Die Beine der Note ein Stück kürzer, die Köpfe dicker.”
Tobias will eine lebende Spraydose sprühen. Karla (13) muss zunächst ihr K und ihr G mit Farbe füllen: fill in heißt es in der Fachsprache. „Ein Buchstabe soll knallpink werden, der andere knallgrün.” Dann noch umrandet. Die meisten bunten Werke landen später in den Zimmern der Mädchen und Jungen. Tristan hat einen anderen Ort ausgewählt: Er sprüht sein Graffito fürs Gartenhaus.
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