Doppel-Wechsel an der Stadtspitze

Dr. Dagmar Goch, Bürgermeisterin, und Kämmerer Dr. Frank Burbulla.
Dr. Dagmar Goch, Bürgermeisterin, und Kämmerer Dr. Frank Burbulla.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Bürgermeisterin hat am 20. Oktober ihren letzten Arbeitstag. Ihr Stellvertreter wird wohl schon im Sommer nach Herne gehen.

Hattingen..  Der Stadt Hattingen steht ein radikaler Führungswechsel bevor. Dass im Herbst ein neuer Bürgermeister ins Amt kommt, war bekannt. Dagmar Goch (65) geht nach elfjähriger Amtszeit in den Ruhestand und hat am 20. Oktober 2015 ihren letzten Arbeitstag. Fünf Wochen vorher wissen wir, wer ihr nachfolgt. Am Sonntag, 13. September, stimmen die Hattingerinnen und Hattinger über ihren neuen Bürgermeister ab. Auf der Bewerberliste stehen bisher Manfred Lehmann (SPD) und Dirk Glaser (parteilos).

Seit Montag dieser Woche ist klar, dass auch Dagmar Gochs Stellvertreter sein Amt aufgeben wird. Frank Burbulla, seit 14 Jahren Erster Beigeordneter und Kämmerer, wechselt als Dezernent nach Herne und soll seine neue Aufgabe dort bereits im Sommer übernehmen (wir berichteten).

Das bedeutet: Innerhalb weniger Wochen werden die beiden führenden Köpfe der Stadtverwaltung und damit auch 50 Prozent des Verwaltungsvorstandes ausgetauscht. Es bleiben: Beate Schiffer, Beigeordnete für Weiterbildung und Kultur, Soziales und Wohnen, Jugend, Schule und Sport, sowie Baudezernent Jens Hendrix.

„Für den neuen Bürgermeister ist das eine große Herausforderung, weil er sich zu Beginn seiner Amtszeit eben nicht auf einen erfahrenen Stellvertreter stützen kann“, meint Gilbert Gratzel. Über Möglichkeiten, mit dem Personalwechsel auch die Zuschnitte der Dezernate zu verändern, hat der FDP-Fraktionschef noch nicht nachgedacht, betont aber: „Bei der Neubesetzung darf das Parteibuch keine Rolle spielen.“

Auch die CDU hat über neue Aufgabenverteilungen noch nicht gesprochen. „Wir müssen eine pragmatische Lösung finden“, sagt Fraktionschef Gerhard Nörenberg. Vor allem sei die Frage zu klären: Suchen wir einen Kämmerer, einen Juristen oder beides?

Nach Einschätzung von Achim Paas braucht Hattingen in erster Linie einen neuen Kämmerer. „Jurist muss der Nachfolger nicht unbedingt sein. Es genügt die Befähigung für den gehobenen, allgemeinen Verwaltungsdienst“, weiß der SPD-Fraktionschef. Bei Bewerberauswahl wie Aufgabenverteilung werde die SPD offen für alles sein.

Eher als Chance, nicht als Problem sieht Friedhelm Knippel den Doppel-Wechsel an der Stadtspitze. „Es kann vieles besser werden“, meint der Vorsitzende der Linksfraktion im Stadtparlament. Die Grünen sind dafür, die Zuschnitte der Dezernate in der Ausschreibung so offen wie möglich zu halten, damit der später gewählte Bürgermeister seine Vorstellungen auch noch einbringen könne. Fraktionschef Frank Staacken: „Zeitlich ist der Doppelwechsel ganz sicher ein Problem. Eine Chance daraus zu machen, ist jetzt die Aufgabe der Politik.“