Diese Nachbarn sind noch rüstig
02.03.2010 | 17:06 Uhr 2010-03-02T17:06:00+0100Die alte Dame wohnt im Hochhaus. Jede Menge Nachbarn. Aber keine Hilfe. Was in diesem speziellen Fall einen besonderen Grund hat. Ablesbar an Rollatoren im Treppenhaus.
Nicht dass ihr die Mitbewohner nicht gern zur Hand gehen würden. Schließlich wohnt man seit Jahrzehnten unter einem Dach. Doch auch die Nachbarn sind betagt. Kein Grund zur Verzweiflung – die Nachbarschaftshilfe kommt.
Ihr neuestes Angebot: Die Helfer bringen Rauchmelder in den Wohnungen von Senioren an. Schließlich sei die Brandgefahr nicht zu unterschätzen, sagt Bernd Loewe, der die Nachbarschaftshilfe Mitte 2008 aus der Taufe gehoben hat. 600 Menschen würden jährlich in Deutschland sterben bei Bränden, die Mehrheit in Privathaushalten. Ursache sei nicht nur Fahrlässigkeit, sondern oft ein technischer Defekt.
Pauschal sollen 15 Euro berechnet werden, mit Lieferung und Anbringung. Und rechtzeitigem Batteriewechsel, über den Buch geführt werden soll. Diskutiert wird noch, wie Menschen mit wenig Geld geholfen werden kann, ob es möglich ist, dass die Kasse der Nachbarschaftshilfe einspringt. Schließlich hätten Ende November 486 Menschen Grundsicherung bezogen.
An Helfern mangelt es der Nachbarschaftshilfe nicht. Sie hat in letzter Zeit Verstärkung bekommen. Nicht nur durch Menschen, die noch rüstig sind, aber selbst nicht mehr arbeiten müssen. Sondern auch durch Jüngere. Studenten etwa. Da jeder selbst bestimmt, wann er eine Glühbirne austauscht und wieviel Zeit er zur Verfügung stellt, lässt sich der Einsatz gut vereinbaren. Auch mit einer Berufstätigkeit.
Dirk Wiciok wohnt noch nicht lange in Hattingen. Der frühere Bergmann hat hier schnell Kontakt bekommen und freut sich, anderen helfen zu können. Michael Larisch wird womöglich mit seinem Töchterchen im Schlepptau auftauchen, wenn ihn das DRK in einen Haushalt schickt. Während seine Frau arbeitet, kümmert sich der 38-Jährige um den Nachwuchs. Und ist ehrenamtlich aktiv.
Was größer werden darf, ist die Zahl der Senioren, die um Hilfe bitten. Zwei bis drei melden sich im Monat. „Der Bedarf müsste größer sein”, ist die Nachbarschaftshilfe überzeugt. Möglicherweise scheuen sich manche, um Hilfe zu bitten. Etwa wenn die Kinder weit weg wohnen. Dazu besteht kein Grund. Für den Boden einer Schublade, die Bernd Loewe in einem Haushalt repariert hat, muss kein Schreiner bemüht werden.
Mohammed Bourzoufi freut sich, durch ehrenamtliche Einsätze der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. Und fordert Migranten auf, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
11:11
Zitat:Schließlich hätten Ende November 486 Menschen Grundsicherung bezogen.
Ergänzung: Das sind die 446 Personen, die Grundsicherung im Alter (über 65 Jahre) und bei Erwerbsunfähig erhalten.
Insgesamt erhalten in Hattingen mit Stichtag 30.11.09 unglaubliche 5.699 Menschen Grundsicherung, das sind 10% der Hattinger Bevölkerung!!
Hier zu wird eine Initiative in Hattingen tätig: http://www.hattingen-solidarisch.de/
Am 16. März findet hierzu eine Info-Veranstaltung im HAZ statt.