Diebstahl für die Schönheit

Justitia.
Justitia.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
18-Jährige stiehlt in Hattingen Kosmetik-Artikel, weil sie „schön sein“ wollte. Gericht verhängt einen Monat Dauerarrest. Der ist aber mit der Untersuchungshaft schon abgegolten.

Hattingen..  Wer schön sein will, muss leiden und manchmal sogar hinter Gitter. „Ich wollte mich schminken und einfach nur schön sein“, rechtfertigte sich eine junge Rumänin am Donnerstagmorgen im Amtsgericht. Mit einem verlegenen Lächeln begleitete die zierliche Frau ihre Aussage und bestätigte sämtliche Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. Reue ließ sie dabei jedoch vermissen.

Die 18-Jährige hatte Anfang Januar im hiesigen Kaufland Kosmetikartikel im Wert von 72,69 Euro mitgehen lassen und war dabei vom Ladendetektiv erwischt worden. Ohne Plan, ohne Berufsausbildung und ohne Sprachkenntnisse war sie im November mit dem Bus nach Deutschland gekommen. „Ich wollte hier Arbeit finden, weil das in Rumänien unmöglich ist“, erklärte die Diebin über ihren Dolmetscher, konnte jedoch nicht spezifizieren, in welchem Bereich sie tätig werden wolle. „Irgendwas eben, vielleicht als Kinderpflegerin“, konnte ihr der Richter erst nach mehreren Nachfragen als zögerliche Antwort entlocken.

Eine Ausbildung als Elektronikerin hatte die Heranwachsende abgebrochen. Eine Schwangerschaft mit nur 15 Jahren und große Geldsorgen hätten zum Abbruch geführt, ehe sie in Hattingen lebende Landsleute nach Deutschland gelockt hätten, verriet der Teenager.

Neben der Kaufhaus-Tat war die Rumänin wegen Beteiligung an einem Handtaschen-Diebstahl im Irish Pub angeklagt. Aus Mangel an Beweisen, dass sie dem Opfer dabei systematisch die Sicht auf zwei Komplizen verdeckt habe, stellte man dieses Verfahren nun ein. Die als Zeugin geladene Geschädigte, die neben Fotos mit hohem ideellen Wert ihre gesamten Papiere verloren hatte, wurde nicht mehr berücksichtigt.

So blieb es beim Ladendiebstahl, für den ihr vom Gericht eine Verwarnung im Umfang von einem Monat Dauerarrest auferlegt wurde. Durch die mehrwöchige Untersuchungshaft ist die Strafe bereits abgegolten, so dass die Angeklagte trotz schlechter Zukunftsprognosen freigelassen wurde. „Wir meinen diese Verwarnung sehr ernst. Nun muss die Initiative von Ihnen ausgehen“, mahnte der Richter und legte der jungen Rumänin Deutschkurs, Ausbildungssuche und staatliche Hilfen ans Herz.