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Die Sprache lernen, das Land lieben

14.12.2008 | 17:35 Uhr

Der gebürtige Marokkaner Mohammed Bourzoufi fühlt sich als Europäer, als Deutscher, als Hattinger.Der Sprach- und Kulturmittler fördert den Dialog und organisiert interreligiöse Gesprächskreise

Vor 36 Jahren verließ Mohammed Bourzoufi Marokko. In seiner neuen Heimat begann er sofort damit, die deutsche Sprache zu lernen. Foto: Walter Fischer

WEIHNACHTSMANN UNTERWEGS 15. DEZEMBER In einem dekorativen Rahmen hängt der Koran über dem Sofa, wenn auch nur als Nachbildung. Dazu kommen zwei, drei weitere arabisch anmutende Schmuckstücke. Und auf dem Tisch steht eine Schachtel mit orientalischem Gebäck. Das ist es aber auch schon, was auf den ersten Blick an Mohammed Bourzoufis Heimat erinnert. Denn wie der 56-Jährige die Holthauser Wohnung, in der er mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt, eingerichtet hat, darf man wohl getrost als typisch deutsch bezeichnen.

Dabei stammt Bourzoufi aus Marokko, genauer gesagt aus der Stadt Oujda. Dort hat er immerhin 20 Jahre seines Lebens verbracht. Heute jedoch fühlt er sich als Europäer, als Deutscher, als Hattinger. "Ich habe die ganze Entwicklung der Stadt miterlebt."

Dass Mohammed Bourzoufi vor 36 Jahren seine Heimat ausgerechnet in Richtung Deutschland verließ, hat er einem Zufall zu verdanken. "Die Firma Heitkamp kam nach Marokko, um Arbeitskräfte anzuwerben", erzählt er. Doch das war nicht der einzige Grund. "Ich wollte mal anderes sehen, anderes ausprobieren." Deshalb packte er die Gelegenheit beim Schopfe.

"Die Idee war, ein paar Jahre hier zu arbeiten und dann zurückzukehren", so Bourzoufi. Dass er fast vier Jahrzehnte später immer noch in Deutschland sein würde, glaubte er damals nicht. Doch schnell fühlte er sich in seiner neuen Heimat wohl, integrierte sich von Beginn an. "Ich habe sofort angefangen, die deutsche Sprache zu lernen", betont er. Und so beschloss Bourzoufi, dauerhaft in Deutschland zu leben. Nach zehn Jahren folgte ihm schließlich seine Frau.

Dass Integration nicht immer so reibungslos funktioniert wie bei ihm selbst, weiß Mohammed Bourzoufi. Daher setzt er sich, wo immer es geht, für den Dialog zwischen den Kulturen ein. Er organisiert interreligiöse Gesprächskreise, ist zudem Sprach- und Kulturmittler der Stadt Hattingen.

Bourzoufi ist überzeugt: "Viele Probleme entstehen durch Missverständnisse." Und genau die versucht er auszuräumen. Vor kurzem etwa half er dem Sohn einer Asylbewerber-Familie, der in der Schule eine Schlägerei angezettelt hatte. "Es ging dabei nur um die Ehre", ist sich Bourzoufi sicher. Dass Gewalt dennoch keine Lösung ist, konnte er dem Schüler klarmachen.

Seit Mohammed Bourzoufi, der als Glüher im Walzwerk arbeitete, vor Jahren in Rente ging, widmet er sich noch intensiver der Integration. Ohne Patentrezept. Aber mit dem Wissen: "Integration heißt nicht nur, die deutsche Sprache zu erlernen, sondern auch, sein Land lieben zu lernen."

Von Christoph Dittmann

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