Die Gallier von Sankt Januarius
12.02.2012 | 19:38 Uhr 2012-02-12T19:38:00+0100
Sprockhövel. „Ganz Sprockhövel? Nein! Ein von unbeugsamen Karnevalisten bevölkertes Gemeindehaus hört nicht auf, den Karnevalsmüden Widerstand entgegen zu setzen. Die Gemeindemitglieder von St. Januarius haben viel von den Galliern aus den Asterix-Comics.
„Ganz Sprockhövel? Nein! Ein von unbeugsamen Karnevalisten bevölkertes Gemeindehaus hört nicht auf, den Karnevalsmüden Widerstand entgegen zu setzen. Die Gemeindemitglieder von St. Januarius haben viel von den Galliern aus den Asterix-Comics.
Jahr für Jahr ist ihr Gemeindehaus das kleine Dorf der Narretei in der ehemaligen Bergbaustadt. Dieses Jahr sogar mit kritischem Unterton im Motto. Zwischen den Zeilen lesen erwünscht: „St. Januarius kann es nicht fassen, der Winter hat uns verlassen!“
Und „der Winter“, das ist nicht etwa die kalte Jahreszeit mit Väterchen Frost, sondern Pastor Winter. „Wenn die Doppeldeutigkeit auch gewünscht ist“, sagte Markus Feldmann, der seit Jahr und Tag durch den Gemeindekarneval führt. „Denn als wir das Motto festlegten, da herrschten draußen noch milde Temperaturen und vom Wintereinbruch war nichts zu merken.“ Frostiger ist dagegen das Verhältnis zum besagten Pastor. „Seit der Zusammenlegung der Gemeinden gehören wir zu Witten-Herbede“, erklärte Feldmann. Pfarrer Jochen Winter sei eigentlich für St. Januarius zuständig. Doch der mache sich rar.
„Was den Gemeindegliedern hier sauer aufstößt.“ Bis auf den kleinen Seitenhieb mit all seiner Ernsthaftigkeit stand an diesem Abend aber der Spaß im Vordergrund. Viele Gruppen wirkten mit am Gemeindekarneval und hatten Sketche oder Büttenreden vorbereitet. Teilweise waren recht schlüpfrige Sache dabei, wie der Toiletten-Sketch des Sprockhöveler Tanzclubs, der frei unter folgendem Motto stehen könnte: „Halt doch mal!“ Modisch grotesk-schick war dagegen das Kostüm von Ulli Meyer, der dieses Mal nicht als Weihnachtsmann, sondern als dessen Frau auftrat, mit knappem Oberteil – natürlich bauchfrei.
Dass Meyers Herrenbauch besonders gut zur Geltung kam, nahm er mit besonders viel Humor. „Modeinteressiert war ich ja schon immer“, beteuerte er. Das Gelächter im Publikum steckte er ebenso locker weg. „Sie haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass es so was gibt, oder?“ Beim Einkleiden hinter der Bühne habe er aber Hilfe gebraucht. „Denn ich wusste einfach nicht mehr, wo was hingehört.“ Weitere Mitwirkende waren der Kirchenchor, Maria Reichelt mit einem Wallfahrt-Bericht – doch sei sie versehentlich in einem Sambazug gelandet, die kfd, Hans Hesse mit Zauberei und der Bastelclub. Maria Reichelt ist übrigens bekennende Närrin. „Ich bin in jedem Jahr in Wesel, meinem Geburtsort, und fahre dort im Zug auf einem Wagen mit.“
Christina Henrichs, die sich die Sitzung im Gemeindehaus zwar gefallen ließ und als „Knasti“ verkleidet war, zieht es dagegen weniger auf die Umzüge und Sitzungen. Und obwohl so mancher Gast den Karneval mal mehr oder mal weniger mochte, war eigentlich keiner unverkleidet. Vom Clown bis zum Marienkäfer – alles war vorhanden.
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