Die Ferienverlierer
20.06.2007 | 08:58 Uhr 2007-06-20T08:58:46+0200Für die Meisten fängt der Spaß heute richtig an, für Andere hört er heute, am ersten Tag der Sommerferien, auf. Nicht nur die Nachprüfungen bereiten Sorgen
Diese Jeans hält selbst der breite Gürtel nicht mehr auf den Hüften, die Hintern-Ansicht bietet freien Blick auf die fein-karierte, weiß-blaue amerikanische Unterhose. Doch der Schlabber-Look, bei jungen Jungen richtig modisch, wird noch verstärkt, Hälse von zwei Flaschen Bier-Misch-Getränk recken sich aus den Gesäßtaschen. Schließlich will das Zeugnis begossen, will der Ferienstart genossen werden.
So sorgenfrei wie bei diesem Jugendlichen beginnen die Ferien aber nicht für jedermann. Es gibt Ferienverlierer, die bis zum Ende der sechseinhalb Wochen am 6. August nicht bloß "Sommer, Palmen, Sonnenschein" im Sinn haben - das sind nicht nur Schüler.
Schreibtisch-Tage Das Gros der Schülerschaft darf die Bücher und Hefte, solange die Eltern nicht schimpfen, für stolze 46 Tage in die unterste Schublade, auf den Schrank oder ins Sonstwohin verbannen - endlich ganz große Pause. Einige jedoch müssen nachsetzen und -sitzen, sie haben die Versetzung noch nicht geschafft. Für manche Kids ab der siebten Klasse aufwärts stehen zum Ende der Ferien in die Nachprüfungen an.
Am Gymnasium Holthausen sind etwa 30 Schüler betroffen, an der Marie-Curie-Realschule weniger als zehn der insgesamt 500. An der Hauptschule (168 Schüler) bangen vier um die Versetzung, drei Noch-Neuntklässler kämpfen um die Qualifikation für die "Mittlere Reife".
Pünktlich in die Ferien ging es offenbar am Gymnasium Waldstraße. Da war der Platz am Telefon gestern schon um 11.23 Uhr verwaist. Auch an der Gesamtschule hob, nur zehn Minuten später, niemand mehr ab - lag bestimmt an der Dienstbesprechung.
Das Nachsitzen in den Ferien findet jedoch nicht an den Schulen statt. Private Anbieter in Hattingen sind beispielsweise die "Schülerhilfe" (Bruchstr. 30, Tel: 19 4 18, www.schuelerhilfe.de) oder der "Studienkreis" (Obermarkt 7, Tel: 2 81 53, www. nachhilfe.de/hattingen_5488. html). Beide Einrichtungen werben mit dem TÜV-Siegel.
Umsatzeinbußen Besonders bemerkbar macht sich das Sommerloch im Döner-Laden am Reschop, wo Hasan Güler Leckeres in Fladenbrote verteilt. "Wir müssen uns anderthalb Monate durchbeißen, der Umsatz geht bis zu 50 Prozent runter. Hauptsache, wir decken in dieser Zeit die Kosten", sagt Güler. "Vielleicht bringt uns dafür das Altstadtfest Mitte August ja einen Schub - sozusagen als Entschädigung."
Auch am Berufskolleg an der Lessingstraße wirken sich die Ferien aus. "Sonst wird hier wegen des Andrangs morgens mit zwei Mann gearbeitet", erzählt Edith Döhrer aus dem City Kiosk.
Bei Maren Noordanus vom Südstadt-Grill sinkt der Umsatz mittags um etwa 40 Prozent. "Früher hat man die Ferien aber deutlicher gespürt", sagt sie, "da sind die Leute länger und öfter weggefahren." - Noch mehr Ferienverlierer.
"Wir müssen uns anderthalb Monate durchbeißen."
"Normalerweise wird hier morgens mit zwei Mann gearbeitet."
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