Deutscher Alpenverein bezieht Stellung zu Kletterunfall in Hattingen
07.06.2011 | 16:01 Uhr 2011-06-07T16:01:00+0200
Hattingen. Nach dem schweren Unfall im Klettergarten am Isenberg, bei dem eine 39-jährige Frau 15 Meter in die Tiefe gestürzt war, bezieht der Deutsche Alpenverein als Betreiber nun Stellung.
Die Verantwortlichen des Deutschen Alpenvereins sind betroffen, sie sprechen von einem „tragischen Unfall“: Am Donnerstag, 2. Juni, war im Klettergarten am Isenberg eine 39-jährige Frau etwa 15 Meter in die Tiefe gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt (wir berichteten). Von der Sektion Essen, die Betreiber in des Geländes ist, war kein Mitglied während des Unfalls vor Ort, deshalb hat der Alpenverein erst jetzt einen Überblick.
Klettergartenwart Thomas Fischer bestätigt bisherige Vermutungen: „Offensichtlich hat es im Kletterteam einen Absprachefehler gegeben. “ Das passiere „nicht einfach so“, führt er aus, „das eingespielte Duo muss abgelenkt gewesen sein“, vermutet er.
„Jeder klettert auf eigene Gefahr“
Klettern ist gefährlich. Darauf weist der Verein nachdrücklich hin. Er bietet eine „solide Ausbildung“, verschiedene Kurse – von Grundlagen bis zum Fortgeschrittenen. „Das Klettern in der Natur ist ein großer Unterschied zur Halle“, erklärt Thomas Fischer. „Es gibt Kletterer, die vergessen, dass es in der Halle DIN-Vorschriften gibt, die mehr Sicherheit garantieren, und dass sie draußen im echten, natürlichen Fels klettern.“ Zwar werde dieser regelmäßig kontrolliert und mit Geologen begutachtet, „aber auch wir können nicht reingucken“.
In der Schwierigkeitsskala, die sich „zwischen eins und zwölf bewegt“, so Fischer, liege die Route am Isenberg im Bereich fünf bis sechs. Bei der Bewertung bleibt er vorsichtig: „Für den einen Kletterer ist das wie ein Spaziergang, für den anderen dagegen schon unheimlich schwierig. Man braucht auf jeden Fall eine Portion Erfahrung.“
Sicherheit sei das oberste Gebot: „Jeder klettert auf eigene Gefahr. Man muss sich hundertfach absichern, und wenn man nur eine Sekunde nicht aufpasst, passiert ein Fehler – und Fehler sind bei uns oft sehr schmerzhaft.“
Alpenverein und Stadt gehen von einem Unfall aus, deshalb wird der Klettergarten am Isenberg nicht gesperrt. Trotzdem wird sich Ralf Weber, Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Stadt, mit Verantwortlichen vom Alpenverein treffen, um das Gelände zu begutachten.
Mitglieder des Alpenvereins sind versichert
Klettern darf am Isenberg nicht jeder. „Wer bei uns nicht Mitglied ist, darf dort auch nicht herumturnen“, sagt Thomas Fischer. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Versicherung. Mitglieder des Alpenvereins sind bei einer Bergung bis zu einer Höhe von 25 000 Euro abgesichert.
Der alte Steinbruch aus Ruhrsandstein ist das einzige Freigelände der Sektion Essen im Alpenverein. „Es wird gerne genutzt, weil die Hakenabstände geringer als woanders sind“, erklärt der Klettergartenwart. „Deshalb kommen auch viele Anfänger.“
Bei der 39-Jährigen wisse er aber, dass sie schon öfter in Hattingen geklettert ist. „Jetzt hatten wir einen Unfall, ausgerechnet von der höchsten Stelle am Isenberg. Das ist zum Glück extrem selten geworden“, so Thomas Fischer. „Wir wünschen der Verunglückten schnelle und umfassende Genesung.“
16:26
„Es wird gerne genutzt, weil die Hakenabstände geringer als woanders sind“
naja, trotzdem führt so ziemlich jeder unkontrollierte Sturz aufgrund der Blockigkeit des Isenbergs direkt ins Krankenhaus. Optimal ist es da nicht
19:05
Ein wohltuend sachlicher Beitrag, ohne Gefühlsduselei und Fremdschuldsuche. Alpinistenrisiko.