Der zweite Mann
11.08.2009 | 18:56 Uhr 2009-08-11T18:56:00+0200Die Schulenburg hat einen neuen Pächter, der alte verspricht neuen Schwung – und bleibt mit an Bord.
„Der Betrieb geht weiter”, hat Karsten Roth immer wieder versichert, seit der Pleitegeier über seinem Engagement in der Schulenburg kreist. So ist es. Und nicht nur das. Nachdem am 1. August das Insolvenzverfahren über die Ambience Hotelmanagement Essen GmbH (unter der Roth die Schulenburg gepachtet und betrieben hat) eröffnet wurde, ist am Montag ein neuer Pächter eingestiegen. Andreas Joswig übernimmt das Haus am Schützenplatz aus dem Stand heraus als Geschäftsführer und verlässt sich dabei auf einen Freund: Karsten Roth.
Helmut Hans, Eigentümer der Schulenburg, hat die Verträge mit Joswig im Beisein von Roth unterschrieben – „und ein gutes Gefühl”. Es gebe ein Finanzkonzept. Und damit, dass sein Ex-Pächter und Schuldner Karsten Roth weiter im Betrieb mitmischt, hat Hans kein Problem: „Ich hoffe sehr, dass der neue Schwung das Haus wieder belebt.”
Dabei ist es zunächst einmal das frische Kapital, mit dem der neue Pächter die alte „gute Stube” Hattingens am Leben hält. Ideen inklusive – wie einem Shuttle-Service zwischen Schulenburg und Seniorenheimen. Auch den Veranstaltungsservice will Joswig ausbauen: Zu den Hochzeiten sollen Weihnachtsfeiern und Konzerte kommen. „Wir müssen wieder mehr Hattinger für uns interessieren”, sagt Andreas Joswig (31). Karsten Roth (46) sitzt daneben und nickt.
Womit er Fehler eingesteht. „Im Rückblick betrachtet, habe ich sicher nicht alles richtig gemacht”, räumt Roth ein, der die Schulenburg im Dezember 2006 als „Neue Schulenburg” wieder an den Start gehen ließ, nachdem Eigentümer Hans die Vorpächter – ebenfalls wegen finanzieller Meinungsverschiedenheiten – herausgeklagt hatte. „Durchaus raubeinig”, klagten in den Wochen danach einige Gäste, seien sie dort behandelt worden. Vor allem Vereine und Senioren fühlten sich überhaupt nicht mehr gern gesehen.
„Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen”, kündigt Karsten Roth Konsequenzen an. Den Restaurantchef und den Assistenten der Geschäftsführung habe er entlassen. Das übrige Personal macht weiter. „Wir alle zusammen”, sagen Roth und Joswig, „werden ab sofort noch mehr Wert auf Freundlichkeit legen.”
Untereinander haben der neue Geschäftsführer („ich kenne die Kostenstrukturen, wir werden es schaffen”) und der alte („Ich bleibe begleitend im Geschäft”) ohnehin keine Probleme. Sie kennen sich gut und sind auch bei anderen Unternehmen Partner. Gemeinsam betreiben sie den Werbeanzeigen-Optimierer „advertshare” und die Firma „abmsystems”, die Internet-auftritte konzipiert.
KOMMENTAR
Ein Gastronom, ein Betriebswirt - und wieder mal Aufbruchstimmung
Eröffnung, Streit um Geld, Räumungsklage. Eröffnung, finanzielle Schieflage, Insolvenz. Ruhiges Fahrwasser sieht anders aus. Auch im Saisongeschäft Gastronomie, wo die goldenen Zeiten für viele Betriebe vorbei sind.
Die Schulenburg kommt nicht zur Ruhe. Wer nach Gründen sucht, sollte jene glanzvolle Historie des Hauses auch mal nüchtern betrachten. Rauschende Empfänge, Sonntags-Kaffee-und-Kuchen-Idyll, Mittagstisch zu 4,99 – das war gestern.
Neue Wege zu gehen und traditionelles Publikum dennoch nicht zu vergraulen – das hat Karsten Roth im ersten Anlauf nach 2006 nicht geschafft. Jetzt startet der Gastronom mit einem Betriebswirt an der Seite einen zweiten Versuch. Hoffen wir auf ein Zusammenspiel von Einsicht und Freundlichkeit, frischem Geld und neuen Ideen. Denn eine Chance hat die Schulenburg allemal verdient. Wenn's denn sein muss, auch immer wieder.
Das Haus ist ein Kleinod. Es wäre schade, wenn es von innen heraus verwelkt.
14:15
Vielleicht lohnt sich dann ja ein Neuanfang.
Ich war immer gerne in der Schulenburg.
Franz H. Frerich
BVMW-EN-KREIS
05:08
Das Haus ist wirklich ein Kleinod, aber die Verantwortlichen wissen das offensichtlich nicht zu nutzen.