Der Welt künstlerisch begegnen

Die Malerin Gabriele von Scheidt und der Fotograf Friedhelm Overbeck laden ein ins Atelier.
Die Malerin Gabriele von Scheidt und der Fotograf Friedhelm Overbeck laden ein ins Atelier.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für Kulturentwicklung und Stadtteilarbeit in Hattingeninteressieren sich die Malerin Gabriele von Scheidt und der Fotograf Friedhelm Overbeck. Sie laden zur Eröffnung ihres Ateliers in Welper Interessierte ein auch zur Diskussion

Hattingen..  Kulturentwicklung und Stadtteilarbeit sind Themen, die nicht nur die Stadt beschäftigen. Die Künstler Gabriele von Scheidt und Friedhelm Overbeck, die vor einigen Jahren den Kunstverein leiteten, setzen sie praktisch um: in einer Ausstellung am heutigen Freitag und morgigen Samstag. Dann öffnen sie ihr Atelier in Welper und laden alle, die an Kunst und dem Stadtteil interessiert sind, ein, sich Arbeiten anzusehen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Offene Türen einmal im Jahr geplant

Der Termin Ende Mai soll zur festen Einrichtung werden. Einmal im Jahr sollen die Türen zum Atelier offen stehen für alle, die kommen wollen. Etwas zu dürftig ist dem Künstler-Duo die Beteiligung der Stadt an der Kulturentwicklungsplanung. Und die Tatsache, dass Künstler sich in einem Kulturforum selbst organisieren sollen. Wie berichtet, hatte Beigeordnete Beate Schiffer das im Zusammenhang mit der Kulturentwicklungsplanung geäußert.

Gabriele von Scheidt fände es hilfreich, wenn die Stadt Künstlern behilflich wäre, Ateliers zu finden. Nicht alle haben das Glück wie sie und Friedhelm Overbeck, die vor knapp drei Jahren die ehemalige Metzgerei in Welper bezogen und in ein Atelier umgewandelt haben. Das Duo freut sich, dass die Gartenstadt Hüttenau als Vermieter ihnen die Möglichkeit geboten hat. Friedhelm Overbeck warnt vor einem künstlerischen Kahlschlag durch zu krasse Sparmaßnahmen im Kulturbereich: „Was einmal weg ist, wächst nicht einfach nach.“

Als Künstler interessiert ihn Abgestorbenes durchaus. Er hat sich auf Spurensuche nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur gemacht und auf Industriebrachen im Ruhrgebiet Materialien gesammelt von abgestorbenen Pflanzen bis zu Schrauben. Auf seinen Bildern wachsen sie zusammen – etwa der vertrocknete Bärenklau und das ausrangierte Werkzeug. „Indem ich die Fundstücke aus ihrem alten Kontext genommen und in einem eigenen Farb-Bildraum implantiert habe, entstand etwas Stilles und Neues, das sich gleichsam wie Poesie der Alltagssprache entzieht“, erklärt er.

Manches, was Gabriele von Scheidt im Vorbeigehen aufgeschnappt und im Atelier in Bilder von Begegnungen mit Architektur umgesetzt hat, existiert nicht mehr – wie eine Beleuchtungssituation vor einem Friseur. „Szenen sind von mir in der Malerei sozusagen eingefroren worden“, sagt Gabriele von Scheidt. Seit einem Jahr setzt sie sich mit ihrem direkten Lebensumfeld auseinander. Ob Kulturentwicklung oder Stadtumbau Welper: „Wir leisten unbürokratisch Entwicklungsarbeit, indem wir der Welt künstlerisch begegnen.“