Der Meister der Schweinerolle
27.01.2012 | 16:41 Uhr 2012-01-27T16:41:00+0100
Hattingen. Früher stand Andreas Weber in der 2. Liga selbst auf der Matte – jetzt hat er den Judo-Club neu aufgestellt.
Alte Liebe rostet nicht: Einst kämpfte Andreas Weber (52) selbst für den 1. JJJC Hattingen in der 2. Judo-Bundesliga, seit 1994 und bis heute führt er den Verein als erster Vorsitzender.
Als Schwergewichtler war Andreas Weber eines der Gesichter der Hattinger Judo-Erfolgsgeschichte der 1990er und des jungen Jahrtausends: Drei Mal durfte er bei Deutschen Meisterschaften, wie er es nennt, „den richtig Guten an die Jacken fassen“. 1993, 1994 und 1997 war das. Zu Hause in Hattingen kamen dazu viele Kämpfe in der 2. Bundesliga auf der Matte in der Halle an der Talstraße und auswärts. Oft vor vollem Haus. Zu Heimkämpfen kamen damals bis zu 600 Zuschauer.
Zum Kampfsport war Weber als Jugendlicher gekommen, recht spät also erst. „So mit 14, 15, da gab es schon mal Probleme auf der Straße“, sagt er. Und deshalb wurde das Schwimmen, mit dem Weber angefangen hatte, nach und nach vom Judo abgelöst. „Man lernt, sich selbst einzuschätzen und mit Stress umzugehen“, sagt er. „Es ist vielseitig, hat mir Spaß gemacht und Selbstvertrauen gebracht.“
Schnell stellten sich erste Erfolge ein. „Ich hatte gute Voraussetzungen, weil ich immer Sport gemacht hatte“, erzählt Weber. „Und Schwergewichtler werden immer gesucht.“ So wuchs der Welperaner schnell in den Verein hinein, kämpfte erst in der Bezirksliga und dann in der zweithöchsten Klasse. Gefördert worden sei er dabei vor allem durch den Club. „Das war damals die große Zeit von Theo Schlieper, der sehr agil war.“ Auch dem Verband blieb das Talent nicht verborgen: Weber stand in Auswahlmannschaften, nahm an Landeskader-Einheiten und Lehrgängen teil.
Zu seinen besten sportlichen Zeiten trainierte Andreas Weber vier Mal in der Woche – auf der Matte, im Kraftraum und bei Laufeinheiten. Sein Kampfgewicht betrug zwischen 105 und 110 Kilo, bei einer Größe von 185 Zentimetern – nicht besonders viel für einen Schwergewichtler. „Ich habe oft gegen schwerere Gegner gekämpft, aber das kann man im Judo ganz gut kompensieren.“ Auch eine Spezialtechnik habe er gehabt. „Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Namen heute noch hören will“, sagt er mit einem herzhaften Lachen. Aber seine „Schweinerolle“, eine Eindrehtechnik, brachte ihm häufig den Sieg.
Die aktive Zeit ist vorbei, zurück bleiben aber keine konkreten Erinnerungen an bestimmte Kämpfe oder Turniere. „Das ist zu lange her“, sagt Andreas Weber lachend. Dafür wirkt die jahrelange Zusammenarbeit besonders mit einem Wegbegleiter nach: die mit dem früheren Trainer Stephan Bode, der heute Bundeskampfrichterobmann des Deutschen Judobundes ist. „Er hat mein Judo-Leben geprägt, auch als Mensch.“
Auch Andreas Weber selbst war nie einer, der Verantwortung gescheut hätte. Schon zu Zweitliga-Zeiten hatte er eine Doppelbelastung zu bewältigen, denn im Jahr 1994 wurde er erster Vorsitzender des Clubs. „Bei Veranstaltungen bedeutete das: erst ans Mikrofon zur Begrüßung, dann ab auf die Matte als Kämpfer.“
In seiner Position im Vorstand war Weber auch an der Neuausrichtung des 1. JJJC beteiligt, die dem sportlichen Abstieg in den vergangenen Jahren folgte. „Wir haben uns irgendwann zusammengesetzt, weil unsere Mannschaft nur noch aus Gastkämpfern bestand, es war kein Hattinger mehr dabei“, sagt Weber, der seine aktive Karriere 2006 nach ein paar Jahren mit der dritten Mannschaft in der Bezirksliga beendet hat.
„Da haben wir gesagt, jetzt schrauben wir die ganz Sache zurück.“ Das bedeutete auch, dass man alles in den Aufbau von Talenten stecken wollte. „Wir wollten die eigenen Leute unterstützen und mit denen nach vorne gehen.“ Auch wenn die Erwachsenenteams – die Herren kämpfen in der Bezirksliga, ein Damenteam gibt es nicht mehr – davon bis jetzt noch nicht profitieren, im Jugendbereich gibt es deutliche Anzeichen für den Aufschwung. „Bei den Herren bin ich zuversichtlich“, sagt Andreas Weber. „Wir haben viele talentierte Leute im Alter von 16, 17 Jahren.“
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