Der Klang der Musik-Metropole London

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Flötistin Anne-Katrin Sandmann und Ada Tanir am Cembalo begeistern beim Konzert in St. Georg.

Hattingen..  London war im Barock eine blühende Musikmetropole, die die unterschiedlichsten Komponisten anzog. Flötistin Anne-Katrin Sandmann und Ada Tanir am Cembalo stellten am Samstagabend in St. Georg in ihrem Konzert „London: a place to work“ Werke bekannter und unbekannter Meister vor, die in London entstanden sind.

Zum Auftakt interpretierte Anne-Katrin Sandmann „Division on a Ground“ aus der 1706 in London veröffentlichten anonymen Sammlung „The Division Flute“. Als dezente höfische Kammermusik für Blockflöte und Cembalo in klangschöner Formgebung gestalteten beide die zunächst für Geige komponierte Sonate C-Dur op. 1 Nr. 6 von Pietro Castrucci (1679-1752), lange erster Geiger in Georg Friedrich Händels Londoner Opernorchester.

Eine stimmungsvolle, affektreiche Folge von höfischen Tanzsätzen ist die Suite in a-moll für Cembalo solo von Johann Jacob Froberger (1616-1667), die Ada Tanir an dem von Volker Platte gebauten Cembalo der St. Georgs-Kirche spielt: In edel-verhaltenen Klängen formt die gebürtige Türkin die stilvoll konturierten Themen des melancholischen ersten Satzes, der auf Frobergers abenteuerreiche Reise über Paris und Calais nach London anspielt: Er wurde überfallen, ausgeraubt, kam in zerrissenen Kleidern in London an – und wurde prompt aus einer Musikveranstaltung hinausgeworfen.

Trillerverzierungen setzen rhythmische Akzente in der festlichen, schnellen Courante und unterstreichen den zeremoniellen Charakter des höfischen Schreittanzes; einen ausdrucksvollen Kontrast dazu bildet die feierliche Sarabande. Ada Tanir interpretiert diesen langsamen spanischen Tanz so, als ob die Musik ihren eigenen Gedanken nachsinnen würde. Schnell und spritzig lässt sie dagegen die Melodien der temperamentvollen Gigue hervorsprudeln. Auch in Francesco Barsantis (*ca 1690) Sonate B-Dur op. 1 Nr. 6 fällt die souveräne Gestaltungskunst von Anne-Katrin Sandmann und Ada Tanir auf: Weiche Flötenweisen, beschwingte lautmalerische Themen, aber auch feierliche Melodien interpretieren sie mitreißend.

In die Welt barocker höfischer Feste und Assembléen entführen sie die begeistert applaudierenden Zuhörer in Henry Purcells (1659-1695) Suite in F-Dur für Cembalo solo und in der Sonate a-Moll von Georg Friedrich Händel (1685-1759).