Der Hof des Wiesenkönigs

Thomas Horn lebt auf dem Hof Waskönig mit seiner Frau Tanja, den zwei Kindern und Hund Leo.Fotos:Volker Speckenwirth
Thomas Horn lebt auf dem Hof Waskönig mit seiner Frau Tanja, den zwei Kindern und Hund Leo.Fotos:Volker Speckenwirth
Foto: Funke Foto Services
Vor einem Jahr brannte die denkmalgeschützte Scheune des Hofs Waskönig ab. Besitzer Thomas Horn baut sie zurzeit wieder auf. Gebaut wurde der Hof wohl von einem Mitbegründer des Zeche Alte Haase.

Hattingen..  Ein Jahr ist es her, da war von der denkmalgeschützten Scheune auf dem Hof Waskönig kaum noch etwas übrig – Folge eines Großbrandes. Doch Dachdeckermeister Thomas Horn, der den Hof im Jahre 2008 gekauft hat, ließ sich nicht entmutigen baut die Scheune wieder auf: Am 18. April, verrät er, feiere man Richtfest.

Die Scheune ist nicht der einzige Bereich der Anlage, in den der 45-Jährige zuletzt jede Menge Zeit und Engagement gesteckt hat. Auch das Hauptgebäude, das Horn seit 2009 zusammen mit seiner Frau Tanja (47) und den beiden Kindern Hanna (13) und Henri (10) bewohnt, hat er in liebevoller Kleinarbeit begonnen nachhaltig zu restaurieren. Und bei den Arbeiten im Haus und auf dem Hof unter anderem einen steinernen Torbogen aus dem 19. Jahrhundert zutage befördert, außerdem einen alten Brunnen.

Es sind beides Fundstücke aus der Historie einer Hofstelle, die bereits 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark erwähnt wurde. Doch obwohl die Geschichte des Hofes Waskönig – des Hofes des Wiesenkönigs – weit zurückreicht: Allzu viel ist nicht bekannt über diese Anlage, zu der neben Haupthaus und Scheune auch drei sogenannte Gewerkenhöfe gehören; und ein heute nicht mehr existentes Backhaus. Immerhin weiß man, dass auf dem Hof – der seit 1982 unter Denkmalschutz steht, als „Zeugnis landwirtschaftlichen Lebens und Arbeitens“, so Denkmalpfleger Jürgen Uphues – jahrhundertelang die Familie eines der Hauptanteilseigner der Sprockhöveler Zeche Alte Haase lebte.

Initialen im Fachwerk

Das heutige Hauptgebäude wurde dabei wohl von Diedrich Heinrich Waskönig erbaut, der sich damit ein Repräsentationsobjekt erschaffen wollte. Hiervon zeugen die großen, in das Fachwerk eingearbeiteten Initialen „DHWK“ und „ACHB“ an der zur Hackstückstraße ausgerichteten, augenfälligen Giebelfront, mit denen der Hausherr und seine Frau, Anna Catharina Hegenberg, sich auf ihrem Hof verewigten. Und hiervon zeugt auch die Gestaltung im Hausinneren. Mit einer bis heute erhaltenen Kölner Decke im Eingangsbereich – einer Konstruktion aus Decken­balken und den darüber liegenden Dielen, vollständig von Putz überzogen; mit einem scheinbar viel Stauraum bietenden, hölzernen Wohnzimmerschrank, der doch in erster Linie zur eleganten Verkleidung der Kellertreppe dient; mit einer eigenen Räucherkammer im ersten Stock, aus der heute ein Badezimmer geworden ist. Diedrich Heinrich Waskönig sei nicht nur Landwirt gewesen, sondern auch ein Mitbegründer der Zeche Alte Haase in Sprockhövel, sagt Thomas Horn. Seit dem Jahre 1754 jedenfalls erschien ein Waskönig mit diesen Vornamen als Bergbauanteilseigner von Alte Haase in den Akten.

Das weithin sichtbare Fachwerkhaus an der Hackstückstraße 92 habe jener Waskönig wohl ausgangs des 18. Jahrhunderts erbaut, schätzt Denkmalpfleger Uphues.

Rolf Waskönig, ein Nachkomme des Erbauers, glaubt dagegen, dass das heutige Hauptgebäude der Hofanlage noch älteren Datums sein muss. Er hat die Familiengeschichte bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurück verfolgt.

Der Hof wechselt den Besitzer

Dass die Familie Waskönig auf dem Hof bis zur Generation seines Ur-Ur-Opas Diedrich Peter lebte und arbeitete, betont der 65-Jährige. Ein Ur-Opa Julius habe dann anno 1868 ein Eisenwarengeschäft auf der Bahnhofstraße eröffnet und bald darauf wohnte nicht einmal mehr ein Waskönig an der Hackstückstraße 92. Der „Wiesenkönig“ war zuletzt die Familie Obenlünenschloss, die den Hof über mehrere Generationen als landwirtschaftliches Dienstleistungsunternehmen bewirtschaftete.

Und nun gehört den Waskönigs ihr Hof nicht mal mehr. Doch Rolf Waskönig weiß die Anlage seiner Ahnen bei Familie Horn in besten Händen: „Ich hätte keine bessere finden können.“ Den Handwerker übrigens lernte er vor ein paar Jahren bei einem Termin auf dem Hof kennen: Waskönig wollte das Dach der denkmalgeschützen Scheune neu decken lassen. Eine reine Renovierungsmaßnahme. Und dann kam der Brand.